Mittwoch, 29. Oktober 2008

Herr, schmeiss Motivation vom Himmel!

Bereits seit einiger Zeit habe ich ueber meinen Werdegang nach der Uni nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass vorerst an der Uni zu bleiben keine schlechte Idee waere. Eben drum war ich auch sehr dankbar dieses Forschungspraktikum in Australien absolvieren zu koennen. Die meisten fragen mich wie ich denn in dem fremden Land so klarkomme und wie es sich mit Guenni zusammen lebt und ob ich mich eingelebt habe. Seltsamerweise ist das alles kein Problem gewesen. Ich fuehle mich inzwischen schon hier in Melbourne wie in MD. Klar war vieles am Anfang neu, aber nach zwei Monaten holt mich dann auch der Alltag ein. Man weisz wo man einkaufen gehen muss, kennt auch endlich die Namen der anderen Uni-Mitarbeiter (was nicht heiszt, dass ich sie alle richtig aussprechen kann...), hat hier und da ein paar nette Leute gefunden und geht hier so seinen Weg. Am Anfang haette ich wahrscheinlich spontan sehr vieles aufzaehlen koennen, was an Melbourne anders als an Magdeburg ist, und obwohl diese Unterschiede immernoch da sind, nehme ich sie bereits kaum noch wahr. Ich habe mich hier also eingelebt und auch schon halbwegs sozialen Anschluss gefunden. Mein Supervisor Kent ist sehr nett und die Maedels vom Volleyball werde ich sicher auch noch genauer auf den naechsten Turnieren kennenlernen. Dieses Wochenende steht uebrigens ein Turnier in Bendigo an.

In diesem Eintrag moechte ich mich vor allem einem ernsteren Problem widmen: der Motivation. Anfangs haben Guenni und ich den Tag von 9 Uhr morgens bis zehn Uhr abends in der Uni verbracht. Schlieszlich moechte man gerne mit allen in Kontakt bleiben und auch noch den noetigen Unikram nebenbei machen. Nach sechs Wochen kam dann jedoch die grosze Ernuechterung: wir waren beide mit unseren Recherchen noch nicht viel weiter. Wochentag fuer Wochentag sitzen wir im Buero und versuchen uns durch wissenschaftliche Paper zu quaelen. Wir sitzen auf unbequemen Stuehlen und starren den Bildschirm an. Nach einer gelesenen Seite eines Papers belohnt man sich dann erst einmal mit vermeindlich kurzem Internetsurfen oder einem Spiel. Leider dauert die Ablenkung oftmals zu lange an und man findet sich 16 Uhr auf die Uhr guckend und keinen Schritt weiter vor. Klar, dass man dann noch laenger in der Uni bleibt um doch etwas Unikram zu schaffen, aber wie effektiv kann man abends um zehn noch arbeiten? Nach diesen sechs Wochen wusste ich also, dass es nicht so weiter gehen kann. Ich beschloss mich auf die Arbeit wirklich zu konzentrieren und meinen eigenen Rhythmus zu finden. Gerade wenn man zu zweit den Tag verbringt, neigt man dazu sich an den Rhythmus des anderen anzupassen, aber Guenni und ich sind da einfach zu verschieden. Wie sieht mein Plan fuer die Zukunft also aus? Um neun im Buero sein und es versuchen gegen fuenf zu verlassen. Dank der neuesten Zeitumstellung, sind viele in Deutschland aber erst nach 17 Uhr wach, wodurch man doch ab und zu noch etwas laenger im Buero haengen bleibt. Wichtig ist fuer mich nur, dass ich das Buero dann verlasse und danach irgendetwas sinnvolles tue. So waren wir zum Beispiel letzten Freitag im von Studenten aufgefuehrten Theaterstueck MacBeth, Samstag zu einem Konzert in einer Bar und ich dann am Sonntag in der Brunswick Rd. shoppen. Mittwoch steht Volleyballtraining an und ich versuche mich auch sonst noch das eine oder andere Mal zu sportllichen AKtivitaeten zu zwingen, auch wenn ich meistens viel lieber schlafen gehen wuerde. Mit einem anderen Mitbewohner unseres Flurs bin ich schon in Kontakt gekommen und wir haben 2,5 Stunden Tischtennis gespielt und er hat mir dabei noch einige Eigenheiten von Australien und Aussis erklaert, die ich sicher portionsweise im Blog zum Besten geben werde. Jeder fragt uns auch immer: wohin wollt ihr denn ueberall reisen? Was habt ihr geplant, was schon gesehen? Bisher hat die Ausrede des Geldes immer als Schutzschild gedient, gestern jedoch habe ich den Entschluss zu handeln gefasst. Ich habe eine Tour entlang der Great Ocean Road fuer 150 AUD (also dank des schwachen Dollars und dem starken Euro umgerechnet 75 Euro) bei einem Reiseunternehmen gebucht, das sehr modern und jung klingt (http://www.ridetours.com.au/site/index.php). Weitere Tagestouren nach Melbourne und Umgebung plane ich bereits, sowie Fluege nach Sydney und Tasmanien. Bisher habe ich eben immer darauf gehofft noch andere zu finden, die mit Australien erkunden. Corinna, Sara und Nadja vom Volleyball haben da auch zugesagt, aber wie das eben so bei vier Personen ist, dauert es bis man sich mal auf einen Zeitpunkt einigen kann. Eben drum habe ich beschlossen auch mal alleine was zu machen. An sich bin ich sehr gerne mit anderen zusammen, aber ich bin der Meinung, dass ich auch alleine die Zeit sehr geniesen kann. Schlieszlich will ich durch die Erfahrung "6 Monate Melbourne" auch persoenlich einiges lernen. Ansonsten habe ich mir einen Terminkalender angelegt und Ausstellungen, Museumsoeffnungszeiten und Festivals in der Umgebung sowie Maerkte eingetragen. Ich habe also in naechster Zeit wirklich vor etwas zu erleben!
Auf der Arbeit bin ich in der letzten Zeit dann wieder gut vorangekommen und konnte auch endlich mal mehrere Stunden am Stueck arbeiten. Die letzten Tage war ich wiedermal mit intensivem Recherchieren beschaeftigt. Wer auf der Welt hat schon was zu dem Thema geleistet und ist es verwertbar? Mein Sammelsurium von Papern umfasst nunmehr fast 80 Exponate. Alles Forschungsarbeiten die sich mit Ameisenkolonieoptimierung beschaeftigt haben! Das Thema will ich an dieser Stelle nicht erklaeren, spaeter werde ich das aber sicher tun :) Hat man dann endlich den Urwald von wissenschaftlichen Papern durchforstet und die Dokumente auf dem Rechner, so geht die wirkliche Schweinearbeit erst einmal los: Paper lesen. Anfangs habe ich das recht gewissenhaft getan, aber angesichts des Zeitdrucks und der enormen Menge, habe ich mir inzwischen eine geeignete Technik zum Ueberfliegen angeeignet: "Einleitung"...weiterblaettern bis zum..."Fazit". Kommt was verwertbares raus, dann muss zurueckgeblaettert werden und man muss sich durch das Paper kaempfen. Dann geht es zum Schluss noch zu den Quellenangaben, die nach moeglichen Kandidaten fuer weitere herunterzuladende Paper analysiert werden muessen. Der Unialltag war da irgendwie schoener. Da holt man sich das Buch zur Vorlesung und erfreut sich nebst einiger bunter Bilder im Buch auch einer halbwegs einheitlichen Terminologie. Ihr koennt euch sicher vorstellen, was dabei herauskommt, wenn Forscher aller moeglicher Laender Paper schreiben...
Vor zwei Wochen habe ich dann auch endlich angefangen alles bisher herausgefundene in das geeignete schriftliche Format zu bringen um mir das Nachschlagen in den Papern zu ersparen. Mit meinem Projektchef habe ich sehr regelmaeszige Besprechungen, meistens sogar zweimal die Woche, sodass ich ihn gut auf dem Laufenden halten kann und auch weisz ob meine Recherchen in die richtige Richtung gehen. Das Thema finde ich immernoch sehr interessant und ich habe mir auch schon auszerhalb der Uni Gedanken darueber gemacht: am Samstag nach dem Joggen bin ich in den Pool gesprungen und weil der arschkalt war, hab ich mich dann schnell wieder an den Poolrand gesetzt und mich in der Sonne aufgewaermt. Dabei habe ich Ameisen beobachtet und ihre Pfade verfolgt. So eine kleine Ameisenwelt ist schon wirklich lustig. Jedoch sind am Pool nicht gerade die intelligentesten Ameisen vertreten, sodass einige Ameisen sehr seltsam vom Weg abgekommen sind. Lustig, dass wir von diesen kleinen simplen Tieren etwas lernen, wie man grosze schwere Probleme loest. Als ich das dann Kent erzaehlt habe, hat er sich gefreut und meinte, dass es ein gutes Zeichen waere, dass ich mich auch im wirklichen Leben mit der Thematik befasse.
Ich denke jetzt alles in allem schon etwas anders ueber das wissenschaftliche Arbeiten, weil ich die enorme Ausdauer, die dazu von Noeten ist, bisher unterschaetzt habe. Ich bin aber zuversichtlich, dass ich meinen Rhythmus finde :)

Dieser Blogeintrag ist sicher fuer die meisten langweilig, aber super fuer all diejenigen, die wirklich wissen wollen was mich in der letzten Zeit bewegt hat. Vielleicht sollte ich das auch all den netten Verkaeufern im Supermarkt erzaehlen, die mich immer so hoeflich fragen wie es mir geht. Denn so geht es mir im Moment. Ich bin auf der Sucher nach meinem Rhythmus, denn was ich will weisz ich und hat sich auch nicht veraendert. Wissenschaftliches Arbeiten ist schwer, aber man darf sich dafuer in das Thema vertiefen das man wirklich mag.

No worries,
Julia

PS: Es gibt neue Bilder vom Turnier und von Guenni und mir in meinem Fotoalbum!

Montag, 6. Oktober 2008

Ueber Kindheitstraumata und andere Belanglosigkeiten

Ich erinnere mich noch daran als waere es eben erst passiert. Meine Kindheit. Aufraeumen muessen.
Klar kann man gleich nach der Benutzung eines Gegenstandes diesen an den adequaten Stellplatz zurueck verfrachten, aber wo bleibt da der Reiz?
Wieso soll ich den Muell herunterbringen, wenn ich den Muelleimer noch sehen kann?
Was macht man also? Man wartet bis NICHTS aber auch GARNICHTS mehr geht und verbringt dann einen ganzen Tag, womoeglich auch laenger, damit das Zimmer in einen Zustand zu bringen, der den Puls der Eltern auf Werte jenseits der 180 herunterbringt.

Wieso erzaehle ich das?
Fuer mich ist Blogschreiben wie Zimmer aufraeumen. Klingt komisch, ist aber so. Ich versuche alle Eindruecke solange aufzuheben und das Schreiben des Bloges solange heraus zu zoegern, bis ein geeigneter Moment da ist um mein Werk zu vollenden. Wieso passiert hier auch staendig was neues?
Anstatt also jeden Tag ein bisschen zu schreiben, bevorzuge ich diesen Weg.

Danke fuer euer Verstaendnis :)

So und nun zu den Fakten, ihr sollt schlieszlich nicht vergebens gewartet haben.

Sooft(bin ich die einzige die findet, dass dieses Wort verdammt komisch aussieht?) habe ich mich gefragt was alle Besucher oder Besuchenden an
Australien so gefaellt. Am 20.9. wurde ich entdeckte ich des Pudels Kern.
Ich bin mit meinem nunmehr Projektchef und einigen anderen zu fuenft gen Sueden unterwegs gewesen. Wir haben uns zu fuenft in ein Auto gequaetscht und sind nach Phillip Island gefahren. Wenn ein Aussi dir sagt, dass er mit dir einen kurzen Trip in einen Nachbarort machen will, dann solltest du Verpflegung fuer einen Tag mitnehmen. Nach zwei Stunden Autofahrt durch herrliche Landschaft entlang endlos gerader Straszen, sind wir an einem atemberaubend schoenen Ort an der Kueste angekommen. Ich vermag es nicht auszudruecken wie die Schoenheit der Landschaft mein Schweigen forderte. Bilder sprechen mehr als tausend Worte, deswegen habe ich die dazu passenden Bilder bereits online gestellt.
(Um bei der Metapher des Zimmeraufraeumens zu bleiben: ich habe lediglich die Klamotten unters Bett geschmissen um den Anschein eines
ordnungsgemaeszen Tuns zu wahren)
Unsere Reise war von Sonnenschein, Regen und Wind (die Aussis nennen das zwar so, aber das war KEIN Wind! Das war eine ueberirdische Kraft, die den Regen waagerecht werden lies und mir eine jaemmerlich Haarkaemmarbeit am Abend beschehrte) begleitet, Hunger gesellte sich auch allzu bald dazu.
Was tun wenn man am Hafen ist und Hunger hat: manche ahnen ja fuerchten es schon gar... Fish and Chips essen.
Der angenehme Nebeneffekt: dank der Portion Extrafritierfett sind wir auch beim staerksten Wind stehen geblieben!
Nach einer ausgiebigen Wanderung entlang wunderbar ausgebauter Holzwege, sind wir dann den Nachhauseweg angetreten und ich habe mich einem neuen Fotomotiv zugewandt: der Erfassung der Schoenheit der geradlinigen, geraden, ungekruemmten, geradeausfuehrenden unglaublich geraden Straszen.
Wann auch immer wir nicht wussten welche Abzweigung zu nehmen war "geradeaus" war immer die ideale Antwort :)



Am Abend sind wir dann noch zu Freunden von Kent(=Projektchef) eingeladen worden und durften zwei James Bond Filme ueber einen Beamer mitverfolgen.
Diesem wunderbaren Tag ist ein sehr durchwachsener Tag vorausgegangen (Ja, auch ich bin ein Opfer von unchronologischen Gedankenspruengen).
Am Freitag konnten wir endlich das Superappartment beziehen und haben uns beide auf ein Ende des Aus-dem-Koffer-Lebens gefreut.
Nachdem ich mit der nach dem Einzug folgenden Uniarbeit fertig war, habe ich einen ersten Monstereinkauf im auf dem Uniweg liegenden Supermarkt (Safeway) gemacht. Mit sechs vollen Tueten, schmerzenden Haenden und einer Stimmung kurz vor dem Nervenzusammenbruch stand ich dann vor der Tuer der Superwohnung und habe meinen Schluessel nicht gefunden. Natuerlich habe ich alle Taschen dreimal durchwuehlt, das eine oder andere Mal auf deutsch geflucht (obwohl mein Fluchrepertoire in Englisch durch MTV auch auf einem hohem Niwo(Ja, ich schreibe das auch weiterhin so) ist). Also gings runter zur Rezeption, meine erste Dummheit beichten und Hilfe herbeiflehen. Der Ersatzschluessel wurde mir ausgehaendigt und ich kam zumindest in den Genuss meine Einkaeufe zu verstauen. Da wir uns am Freitag abends auf ein Bier treffen wollten (das kam mir in dem Moment sehr gelegen, da ich nach den bisherigen Schluesselerlebnissen wirklich einen Drink vertragen konnte!), musste ich in einer halben Stunde schon wieder an der Uni sein. Na toll. Schon wieder ist es passiert. Das Chaos beherrschte mich und nicht ich das Chaos. Ich habe einen Schluesselanhaenger mit allen Schluesseln dran, also warum verdammt nochmal fehlt der Hausschluessel?
Voellig frustriert machte ich mich dann auf den Rueckweg und durchforstete jeden Winkel den ich mit dem Einkauf gegangen bin. Nichts.
Rein in den Supermarkt, schleichen durch die Gaenge, ja sogar alle Packungen, die ich im Schokoladenbereich angetastet hatte, bin ich nochmals durchgegangen. Der letzte Versuch: an der Kasse nachfragen ob der Schluessel gefunden wurde.
Als ob das was bringen wuerde, ich habe es mal wieder geschafft: ich habe am Tag des Einzuges meinen Schluessel verloren.
"Yes, we have found one".
Was? Meinte die Kassenfrau gerade, dass ein Schluessel gefunden wurde?
Zehn Sekunden Spaeter war ich der gluecklichste Mensch in 3053 (unsere PLZ) Melbourne. Schnell noch Nachhause, wieder umziehen und dann nichts wie los ins Melbourner Nachtleben! Nach dem zweitem Bier und angenehmer Atmosphaere hab ich mich dann beruhigt, das debile Grinsen konnte ich mir an besagten Abend zwischendurch sicher nicht verkneifen. Ein weiterer Tag der Chaosjule neigte sich dem Ende zu, gottseidank!
Am Sonntag hatte ich dann meinen ersten Kontakt zu einem Kaenguruh. Es war sehr schoen zart und rot und ueberhaupt nicht schleimig!
Nach kurzem Anbraten bin ich dann den naechsten Schritt zur Inkrementierung meines Kaenguruhzaehlers gegangen: was war das lecker!




Ein unglaublich zartes, mageres Fleisch mit einem sehr angenehmen Geschmack! Das Kocherlebnis war von einem Alarm getruebt, den
(dreimal duerft ihr raten wer.....ja es ist nicht schwer...folgt eurer Intuition) ich beim Kochen durch Nicht-Benutzung der Abzugshaube ausgeloest habe. Drei weitere kurze Alarme (einer bei einem anderen Mal kochen und zwei beim Oeffnen von Tueren, die fuer mich nicht DEUTLICH mit "Notausgang" oder dem englischen Aequivalent versehen waren) sollten in den naechsten Tagen folgen...
Da auch Lammfilet in Australien herrlich preiswert ist, habe ich meine ich meine Abwendung von der Fleischabstinenz erneut celebriert.
Unter der Woche war ich dann vor allem mit der Themenfindung beschaeftigt. Ja, ich habe endlich ein Thema, dem ich in den naechsten nunmehr Monaten hoffentlich den groeszten Teil meiner Aufmerksamkeit widmen kann! Ich beschaeftige mich in meinem Praktikum damit eine Methode zu finden, die bestimmen kann welche Metaheuristik fuer ein gegegebenes Problem die beste ist. Der Test dafuer sollte natuerlich so wenig wie moeglich Zeit in Anspruch nehmen und korrekt sein. Eine der Implikationen des No Free Lunch Theorems hat naemlich gezeigt, dass es nie eine Metaheuristik geben wird, die fuer alle Probleme besser ist als alle anderen. Die Frage ist also welche Heuristik zu waehlen ist bzw. fuer welche Problemklassen sicher ist, was am besten arbeitet.
Bahnhof? MetaWAS? Oke hier die verstaendliche metaphorische Erklaerung.
Jeder braucht essen. Aber isst jeder das gleiche gerne? Gibt es wirklich ein Essen, dass jedem schmeckt? Leider nicht (auch wenn das Coq au vin meiner Mutter bisher jeden ueberzeugt hat). Dementsprechend ist doch die interessante Frage wie man herausfinden kann, was jemanden am besten schmeckt, wenn derjenige es selbst nicht weisz. Ihm alles Zuessen vorzusetzen was moeglich ist und dann zu entscheiden ist nicht sinnvoll.
So das Essen sind nun die sogenannten Metaheuristiken und die Menschen sind natuerlich die Problem.
Wir haben also ein Problem (z.B wie ist der optimale Spielzug beim Schach?) und wissen nicht welche der moeglichen Loesungsstrategien (evolutionaere Algorithmen, Simulated Anealing, Tabu Search, Swarm Optimization) wir anwenden sollen.
Zusaetzlich sind noch die optimalen Parameter (wieviel Gewuerze beim Salz wie weit soll das Fleisch durchgebraten werden?) zu bestimmen.
Ich glaube weiter ins Detail gehe ich lieber nicht *g*. Momentan lese ich mich noch in die Problematik ein...

Das zweite Wochenende. Ausflug und BBQ mit Andy und Familie.
Andy und seine Frau Sue haben uns am 27.9. elf Uhr abgeholt und sind mit uns nach Sorrento gefahren. Bevor wir entspannt in einen Ausflug in die Schoenheit der australischen Strandlandschaft gehen konnten, haben wir uns am Abend zuvor in der Kueche maechtig ins Zeug gelegt!
Da wir nicht mit leeren Haenden zum BBQ erscheinen wollten, hat Guenni einen vegetarischen Nudelsalat und ich einen nichtvegetarischen Kartoffelsalat thueringer Art zubereitet.
Leider kann ich die Impressionen des wunderschoenen Strands an dem wir die rauhen Felsen langgeklettert sind nicht gebuehrend in bildlicher Form wiedergeben, da die Batterien meiner Digicam leider gestreikt haben :(
Hier die wenigen Bilder, die mir noch moeglich waren:





Weitere Bilder sind meinem Online-Fotoalbum zu entnehmen!
Beim abendlichen BBQ gab es kein Kaenguruhfleisch, dafuer aber viele andere leckere Gerichte, von den hervorragenden Salaten ganz zu schweigen!
Nach dem Fruehstueck am naechsten Tag sind wir dann zu einem Markt gefahren, bei dem wir uns hauptsaechlich bei der preiswerten Second-Hand-Buecher-Ecke aufgehalten haben und ueber Buecher wie "The Buddenbrucks" und "The Threepenny Opera" sehr gefreut haben :)
Andy hat uns dann zum Abschluss zu Weihnachten zu sich Nachhause eingeladen und gesagt, dass er gerne noch weitere Ausfluege mit uns unternehmen moechte. WOW!

Sport.
Endlich habe ich mal wieder Volleyball gespielt :) Das Training findet, wenn auch nur einmal in der Woche (am Mittwoch), statt und hat bisher Spasz gemacht. Ich werde am 18./19. Oktober sogar mit zu einem Turnier fahren, das in Mornington stattfindet. Immerhin kenne ich hier kaum wen und da sind Kontakte jeder Art erstmal gut :) Diesen Sonntag werde ich dann zum Badmintontraining gehen, was dann zwei- bis dreimal die Woche ist.
Auszerdem haben Guenni und ich schon die Tischtennisplatte in der Superwohnung eingeweiht und haben vor als Alternative zum bescheiden beschaemenden Fernsehen uns lieber die Baelle um die Ohren zu schlagen!

Sport im TV.
Der Tag an dem wir mit Andy und Sue unterwegs waren war der Tag des groszen Finales. Alles was ein Y-Chromosom hatte, stroemte zu den vielerorts aufgestellten Riesenleinwaenden oder gar ins Stadium um das Finale der Australian Football League (AFL) mit zu verfolgen.
Die Australier zelebrieren dieses Ereignis in aehnlicher Art und Weise wie die Amis den Superbowl.
Alles in allem also ein super Tag fuer einen Familienausflug auf ruhigen Straszen!

Sauna.
Momentan komme ich durch leichte Krankheit, die bereits im Ausklingen ist, nicht in den Genuss der warmen Lokalitaet, die ich zu allem Ueberfluss auch noch fuer mich ganz alleine habe. Bisher konnte ich die Saune jedoch schon viermal nutzen, wirklich eine feine Sache bei diesem teils nassen, teils windigen, teils noch nicht warmen Wetter!

0% fettfrei
Waehrend man in Deutschland auf einigen Lightprodukten mit nur 0,2% Fett wirbt, versuchen australische Produkte mit Fettfreiheit zu werben!
Die Milch ist dann zu 98% fettfrei, irgendwie witzig oder?

Meatpie.
Laesst man sich von der abstrusen Vorstellung einen Fleischkuchen zu verspeisen und der fragwuerdigen Optik dieser australischen Delikatesse
nicht abbringen, dann steht dem Genuss nichts im Wege. Ein Fleischkuchen ist allemale einen Verzehr wert!

Australier und Kartoffeln.
Sicherlich hat jeder von euch schon einmal davon gehoert, dass amerikanisch schwer verstaendlich sei, da die Bewohnenr leider immer einen Kaugummi im Mund haben. Australien hingegen besitzt eine beachtliche Vielfalt an Kartoffeln, die primaer dazu missbraucht wird, in den Mund zwecks Verschlechterung der Verstaendlichkeit eingefuehrt zu werden. Australier reden mit heiszen Kartoffeln im Mund, wirtklich gewoehnungsbeduerftig :)

Kein Playboy.
Viele Maenner werden ob der gut recherchierten Playboyinterviews sicher gewillt sein, einen Playboy von downunder kaufen zu wollen.
Australische Maenner stehen aber leider auf andere Formate, deswegen wurde der Playboy hier vor einiger zeit abgesetzt. Ueber alterntive Tipps zu Mitbringseln sind wir dankbar.

Abwaschen.
Wie oft habe ich schon darueber nachgedacht von Papptellern zu speisen um mir diese jaemmerliche Abwascharbeit (fuer alle Sonneberger Leser:
Aufspuelarbeit) zu ersparen? Da wir im Superappartment leider nicht in den Genuss einer Geschirrspuelmaschine gekommen sind, haben wir uns etwas ueberlegt. Sofort nach Benutzung des Speiseutensils, soll dieses gereinigt werden. Obwohl mir dieses Unterfangen in Magdeburg nicht geglueckt ist, wachse ich hier ueber mich hinaus!


Victoria Market
Um zwei groszartige Salate mit ausgezeichneten Zutaten zuzuberieten, haben wir erneut den Victoria Market aufgesucht und ich kann nunmehr auch ein paar Bilder dazu liefern:



Mitrechnen beim Einkaufen.
Waehrend man in Deutschland einen schnellen Blick und Gehirnakrobatik der besonderen Art zum Mitrechnen im Supermarkt benoetigt und oft erst nach dem Einkauf merkt, dass sich der liebenswuerdige Mensch an der Kasse als Saboteur/Saboteuse erwiesen hat, kann in Australien jederman das Kassengeschehen mitverfolgen, da eine grosze Anzeige fuer alle sichtbar ist und in verstaendlicher Weise alles bisher gekauft aufzeichnet. Unser Urteil: TOP!

Kippe gefaellig?
Bereits zu Beginn unserer Reise ist uns der niedrige Zigerettenkonsum der Australier positiv aufgefallen. Waehrend wir dies anfangs auf die horenten Preise geschoben haben, hat uns das Fernsehen mal wieder um Wissen bereichert.
In Australien laufen Antiraucherspots der besonderen Art im TV, seht am besten selbst:

Video1
Video2
Video3

Wie die Australier zur Zigerette danach stehen, konnten wir noch nicht in Erfahrung bringen.

Unser Appartment.
Nach vielfachen Wunsch, hier ein paar Bilder unserer Wohnung:






Unser Appartment wird uebrigens von YMCA verwaltet, ich bitte euch an dieser Stelle das Singen zu unterlassen! Ich musste es mir zu Beginn der Besichtigung verkneifen und kaempfe auch jetzt noch gegen dieses Beduerfnis.
Diese Verwaltungssituation bringt uns in die glueckliche Lage einen Pfarrer zum Beichten unserer Probleme verfuegbar zu haben.
Wer weisz wann wir ihn mal brauchen werden :)

Zeitumstellung.
Wieder einmal wurde uns eine Stunde geklaut, da gestern die Uhr von zwei Uhr auf drei Uhr umgestellt wurde. Wir haben also im Moment neun Stunden Zeitverzoegerung zu Deutschland, ab dem 26.10 dank der deutschen Zeitumstellung dann sogar zehn Stunden!

orange?
Abschlieszend moechte ich noch auf ein Problem aufmerksam machen.
In Australia erfreuen sich gewisse Schoko-Erdnuss-Leckerlis einer hohen Beliebtheit, sodass auch wir uns dazu hinreissen lieszen eine Packung der internationalen Koestlichkeit zu erwerben. Ein Aequivalent selbiger Packung ist auch in Deutschland erwerbbar. Beim Verzehr sind uns jedoch essentielle Fragen aufgekommen: gibt es in Deutschland auch ORANGE M&M's Peanut?
Fuer all jene die mir nunmehr die Moeglichkeiten der Nutzung des Internetes unter Verwendung von google vorschlagen, sei gesagt, dass ich diesbezueglich nichts unversucht gelassen habe und deswegen diese letzte Moeglichkeit ergreife um EUCH als Auszenreporter hinzuzuschalten.
Wer auch immer mir die Frage beantwortet, darf sich ueber ein Bild einer australischen M&M's Packung freuen!

Mein Fruehstueck.
Irgendwie hat mein Fruehstueck euch also nicht ueberzeugt.

Seis drum, ich habe aufgeloest :)

Werte fuer die Statistik.
Kaenguruhs gesehen: 1, davon gegessen: 1
Kaolas gesehen: 1, davon fuer haesslich befunden: 1

Spinnen gesehen: 2, habe aber ueber beide lachen koennen :)

So ich lese dann mal weiter!

Liebe Gruesze aus Down Under,
Julia

PS: Vielen lieben Dank fuer die Anrufe aus Deutschland, ich habe mich seeeeehr gefreut!!!