Nachdem ich die letzten beiden Pruefungen hinter mich gebracht habe, war nur wenig Zeit zur Entspannung.
Ein Tag in Berlin und die Hochzeit meiner Schwester und stundenlanges chaotisches Packen standen an.
Die ersten beiden "Projekte" waren erholsam und sehr schoen und super Gelegenheiten sich nach wochenlangem Mensa-und-abends-nur-Fastfood-oder-Brot-Essen richtig den Bauch vollzuschlagen! Direkt von der Hochzeit
in Kassel gings dann mit meinen Eltern und Schatzi zurueck nach Magdeburg, wo das hecktische Treiben in die naechste Runde gehen sollte. Pappkisten sind schnell gekauft und aufgebaut, aber sie zu fuellen erwies sich als knifflige AUfgabe, die nicht nur meine Geduld sondern auch die Nerven meiner Mutter sehr auf die Probe stellte. Aber was soll man machen, wenn man in fuenf Tagen nach Australien fliegt und die Wohnung bis dahin ordnungsgemaesz verlassen haben soll? Dank der tatkraeftigen Unterstuetzung meiner Eltern und meines Freundes war Donnerstag das ganze Chaos in Kisten verteilt und die liebevoll von mir in der Pruefungszeit mit ultradeckender Farbe angebrachten Leuchstreifen nach zweimaligem Darueberstreichen verschwunden. Das Zimmer war also das erste Mal seit ich darin wohnte sauber, wirklich ueberall sauber. Stolz bin ich auf letzteres freilich nicht, aber ich werde auch nicht muede Besserung zu geloben und finde dennoch ein Zitat, dass mein Opa geschickt hat, sehr zutreffend:
"CHAOS IST KREATIVITÄT AUF DER SUCHE NACH FORM."
Die letzten Tage ab Freitag vergingen wie im Flug, die eine oder andere Verabschiedung stand an. Komisch wie leicht es einem faellt "tschuesz und bis in einem halben Jahr" zu sagen und wie schnell einem dann doch bewusst wird wie sehr jeder einzelne fehlt. Dreas Alliterationsalarm, Lockes und Bias Phallus, Christian's liebe zu falsch gesetzten Apostrophen (hier sind die ja alle richtig), Hagens Sarkasmus, .... und natuerlich meine Familie und meinen Freund!
Ich vermisse euch alle jetzt schon wirklich sehr und bin gespannt was ihr in dem halben Jahr treibt :)
Ich hoer jetzt auch auf in Erinnerungen zu schwelgen, aber bei 30 Stunden Anreise, die man fast auf sich alleine gestellt ist, spuken viele Gedanken im Kopf herum.
Anreise. Ach da war doch was. Chaos, wer haette das gedacht? Als ich dann nach viereinhalbstuendiger Zugfahrt am Frankfurter Flughafen eingetroffen bin und Guenni (meinen Leidensgenossen fuer die naechsten sechs Monate) gefunden habe, gingen schon die Probleme los:
- wohin muessen wir?
- wie war das nochmal mit dem Einchecken?
- wie krieg ich nur diese verdammt Spritze in meinen Bauch waehrend ich auf einem voellig versiften Klo sitze, komische Tussen von Klozelle zu Klozelle philosophieren(also ueber den Sinn des Lebens(=Einkaufen) reden)und ich mir mit zittriger Hand erneut meine riesengrosze Angst vor Spritzen eingestehen muss? (ich habe mich aufgrund einer gewissen Anfaelligkeite zu Thrombose vor dem Flug spritzen muessen)
- wie kriege ich all das Essen mit was ich fuer den Weg eingepackt habe?
- und wie passe ich nachdem ich alles gegessen habe noch in die ohnehin schon viel-zu-engen Kompressionsstruempfe?
Alle Probleme haben wir irgendwie bewaeltigt und konnten uns dann auf unseren Flug nach Melbourne freuen.
Das Flugzeug. Technische Daten und Typbezeichnungen lass ich einfach mal weg und komm zum wirklich wichtigen: es gab Fernseher in den Sitzen und wirklich viele tolle Filme. Das Essen war ganz oke, im Nachhinein ist mir schon etwas schlecht davon, aber der Nachtisch war meistens super :)
Umsteigen mussten wir in Dubai wo wir auch das erste Mal in einen riesengroszen Duty-free-bereich einkaufen konnten, dies dann aber doch aus Mangel an Geld und Platz im (Hand-)Gepaeck doch gelassen haben. Nach Dubai kam der anstrengenste Teil des Fluges: 13 undeinpaarzerquetschte Stunden! Bilanz:
- 9 Filme angefangen zu gucken
* vier davon bis zum Schluss
- 4 mal warm gegessen, davon zweimal eine Extraportion nach dezentem Nachfragen
- 23 mal Fuesze eingeschlafen, davon:
* 16 mal der rechte und 10 mal der linke (links war die Armlehne meines Vordermannes, der mich mit einigen boesen Blicken fuer die Teilnutzung des von ihm als Auflageflaeche fuer seinen Arm preferierten Gegenstandes gestraft hat)
- 78 mal geflucht, dass ich jetzt in diesem Fugzeug sitze
- und mich viel zu oft gefragt habe, wieso ich unbedingt nach Australien wollte.
Nachdem wir auch die letzten Flugqualen ueberstanden hatten sind wir nach genauer Inspektion unseres Gepaeckes von einem Kollegen meines Vaters abgeholt wurden, der uns dann auch ins Zentrum von Melbourne und zur Jugendherberge gefahren hat. Keine Ahnung wie wir sonst voellig schlaftrunken und balla im Hirn dort angekommen waeren. Liebe Gruesze an dieser Stelle an Andy und danke fuer alles! In der Jugendherberge standen wir dann einem groszem mathematischem Durchbruch bevor: die Rechung fuer drei Uebernachtungen fuer uns beide sollte $237 kosten, doch wieviel muss dann jeder einzelne von uns bezahlen? Das ist nicht nur hohe Mathematik, das macht einen nach so vielen schlaflosen Stunden wirklich zu schaffen!
Wir waren dann noch mit Andy einen Kaffee trinken und haben uns nett mit ihm unterhalten. Von seinem Vorschlag den ersten Tag so lange wie moeglich wach zu bleiben (wir waren 6 Uhr morgens in Melbourne angekommen) hielten wir wenig spaeter in der Jugendherberge nicht mehr allzu viel. Ich habe fuenfeinhalb Stunden geschlafen und haette doch noch deutlich laenger gekonnt, aber irgendwie muss man in diesen australischen Tagesablauf reinkommen. Seit dem haben wir noch beratschlagt wie wir die naechsten Tage mit der Wohnungssuche und dem Kauf einer Telefonkarte vorgehen und uns einen 24-Stunden-Internet-Zugang in der Jugendherberge verschafft. Wahrend Guenni seine E-Mails checkte und sich auf Online-Wohnungssuche machte, habe ich einen Chinesen an der Tischtennisplatte im Aufenthaltsraum um ein Spiel gebeten. Daraus wurde ein erbitterter einstuendiger Kampf, der von vielen Ballsuchaktionen und diversen Geruechen aus dem ohne Wand abgetrennten Kochbereich begleitet wurde. Diese Bewegung tat wirklich gut und hat mich ermutigt danach unter die kalte!(das warme wasser funktioniert angeblich nur im Moment nicht) gesprungen. Mit der Jugendherberge koennen wir ansonsten recht zufrieden sein, hier sind viele junge Leute aus allen Nationen und viel Geschirr und Toepfe in der Kueche ermoeglichem es jedem dort zu kochen. Alles in allem also ne super Sache.
So langsam beginne ich mich an den Gedanken hier noch ne Weile zu bleiben, zu gewoehnen. Melbourne ist zwar ne Riesenstadt, aber irgendwie fuchsen wir uns da durch!
Morgen gehts um acht los zum Telefonkartenkauf und dann gleich zu diversen Schwarzen Brettern an der Uni um bald eine Bleibe zu haben.
Diesen Blogeintrag mache ich von meinem neuen Rechner aus, den ich seit kurzem mein Eigen nennen darf.
Ich habe meinen alten acer ad akta gelegt und mir nach drei Jahren intensiver Dauerbenutzung einen neuen Acer gegoennt :) Das nervigste stand jedoch mit der Einrichtung und Installation der noetigen Programme an.
Ueber meine Neukauf-Entschiedung bin ich bisher sehr gluecklich auch wenn mir die Essens- und Trinkreste zwischen den Tasten wohl fehlen werden :)
Das Wetter in Melbourne ist im Moment echt noch scheisse: 15 Grad und Regen!
Zu guterletzt noch eine letzte Zwischenbilanz:
- Kaenguruhs gesehen: 0
- Koalas getoetet: 0
- giftige Spinnen gestreichelt: 0
- Tage bis Rueckflug: immernoch zu schwer zu berechnen (wer kann schon eine genaue Anzahl von Tagen bis zum 28.2 berechnen?)
Spezielle Gruesze freudiger Erwartung gehen an den guten Igor ohne dessen Beistand ich es viel schwerer gehabt haette.
Machts gut,
Julia
vor 13 Jahren
5 Kommentare:
Hallo Julia,
schön das Du gut angekommen bist und das alles soweit klappt.
Viel Erfolg bei der Wohnungssuche und der Besuch im Februar 09 steht so gut wie fest.
Alles gute wünscht Dein Bruder Olli
Hejsån!
Nice to hear that you guys did arrive safe and secure :)
Do you need help in Melbourne?
I could give you the contact of some peeps I know down there. They're students of the University of Melbourne, I did meet here in Uppsala.
Have much success looking up housing and getting a nice appartement.
Don't forget to join the Facebook. It's the best way to stay in contact with people from all around the world :)
Greets to you and Guenn :)
Liebe Jule,
schön, dass du uns - so weit weg - doch noch so nah bist.
Es macht Spaß, deinen Blog zu lesen (vielleicht wirst du ja doch lieber ein Schreiberling) und dich zumindest in Gedanken zu begleiten.
Viele liebe Grüße von Nora, Heiko, Laura, Lena, Oma und Opa
Huhu Julia,
mich freut es natürlich auch, dass ihr gut angekommen seid. Allerdings frage ich mich, ob ich mir Sorgen um die Koalas machen muss oder ob es nur eine Folge des Jetlacks war, dass du Koalas töten möchtest*grübel*
Ich wünsch euch beiden auf jeden Fall ganz viel Spaß und das Wetter wird sicher auch bald schön ;-)
Liebe Grüße
Antje
Mehr!!!!!!!!
Wir wollen mehr von die hören...
Wie geht's, Wohnungssuche und so..
Alle schauen gebannt in deinen Blogg und da rührt sich nix ;)
Viele Grüße!
mama :*
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