Dienstag, 27. Januar 2009

Mein erster Reisebericht: Tasmanien

Lange Rede kurzer Sinn, los gehts :)

Am Dienstag den 13. bin ich brav frueh in die Uni gegangen um mich mit Karten fuer Tasmanien und einem Wetterbericht zu bewaffnen. Gegen 13 Uhr ging es dann gen Unildoge in Swanston Street, von wo aus ich vom Airport Shuttle abgeholt werden sollte. 13 Uhr bekam ich einen Anruf von Jetbus, dass der Fahrer gleich da ist. "Super" dachte ich, klingt nach einer vernuenftigen Verkehrsgesellschaft die obendrein in meinen Internetrecherchen die guenstigste war. Wenige Minuten und Meter spaeter stand ich dann am Haltepunkt und wartete. Und wartete. Und bekam wieder einen Anruf von Jetbus. Wo ich denn waere, weil das Shuttle schon da ist. Ich konnte aber nichts von dem Shuttle sehen und bin dann alle moeglichen Winkel des Unilodge abgelaufen. Die noch nette Telefonfrau versicherte mir, dass der Bus da sei, gab mir das Kennzeichen und eine Beschreibung. Nix. Huh? Ich sollte in der Swanston Street am Unilodge gegenueber Melbourne University abgeholt werden? Die Frau meinte, dass meine Angaben stimmen und bat mich nochmal darum meine Augen zu benutzen. Nee immernoch nix. Die ehemals nette Frau meinte ich solle weitersuchen. Oehm ja klar, was genau soll ich machen? Rein gehen? Auf der Toilette suchen? Mir nen Doener nebenan kaufen? Beim naechsten Anruf bat sie mich dann vllt etwas weiter vom Unilodge Hotel wegzulaufen. Okay. Am soweit waermsten Tag (40°C) bewaffnete ich mich also mit meinem Gepaeck und wanderte die Strasze runterwaerts gen Stadt. Ich habe beim naechsten Anruf der Frau dann nochmal darum gebeten zu bestaettigen, dass ich an der Haltestelle von der Universitaet Melbourne warten solle. Sie bestaetigte nochmal. Ungefaehr jetzt habe ich mich verarscht gefuehlt und gemerkt wie die Wut und die Verwunderung in mir hochkam. Jetzt griff ich zum Telefon, bestaetigte nochmal meinen Standort und bat sie mir die genaue Adresse durchzugeben. 303 Swanston Street. Okay, ich befand mich in 805 Swanston Street. Irgendwas stimmte also nicht. Sie meinte dann am Telefon, dass der Fahrer nur noch kurz auf mich warten koenne, da die anderen Gaeste sonst ihren Flug verpassen. Dafuer hatte ich natuerlich verstaendnis, ich bat darum mir noch fuenf Minuten zu geben. Mit dem Gepaeck bewaffnet rannte ich durch die Hitze Melbourne und hoffte, dass sobald grosze Nummernspruenge kommen, denn sonst wuerde ich das nie schaffen. Nach acht Minuten kam ich dann im Stadtzentrum an und erspaete nahe Melbourne Central ebenfalls ein Unilodge Zeichen. Die Adresse stimmte ueberein, ich hatte also meinen Abholpunkt erreicht. Vom Shuttle war natuerlich nichts mehr zu sehen. "Ruhig bleiben Julia". Ich habe mir also eine Bank im Schatten gesucht und bin innerlich ausgerastet. Nach einem weiteren Griff zum Telefon habe ich dann der damals netten Frau am Telefon mitgeteilt, dass ich nun am Unilodge in der Swanston Street bin. Ich habe ihr weiterhin mitgeteilt, dass das nicht gegenueber Melbourne University sei, sondern gegenueber von RMIT University und ich habe sie darauf hingewiesen, dass es zwei Unilodge in Swanston Street gibt. Sie sagte mir, dass das nicht moeglich sei und fuegte schnell hinzu, dass Jetbus nicht fuer die Folgekosten meines Shuttleverpassens aufkommen. Die Kacke war also am Dampfen. "Wann kommt denn das naechste Shuttle?". In einer Stunde und zwanzig Minuten. Ich durchwuehle meine Flugpapiere und stelle fest, dass mein Flug zwar erst 16:25 Uhr geht, ich aber laut Internet zwei Stunden vorher zum Check-In da sein soll. Das naechste Shuttle wuerde erst 45 Minuten vor Abflug am Flufhafen antreffen. Also habe ich beschlossen der netten Frau noch eine Chance zu geben und bat sie darum im Internet fuer mich ausfindig zu machen, ob man auch noch 45 Minuten vorher einchecken koenne. Waehrend also das Guthaben meines Handys immer weiter runter ging, versuchte sich die Jetbuslady an der Benutzung von google. Sie koennte nichts dazu finden. Ja nee is klar, man findet keine Kontaktnummer zu Tiger Airways. Wieso auch, die Airline habe ich mir bestimmt genauso ausgedacht wie das zweite Unilodge in Swanston Street. Und Tasmanien gibts auch nicht, alles meine Schuld, weil ich, wie die Telefonfrau meinte, vorher besser haette recherchieren sollen. Ich habe meine Augen benutzt und bin jeden Tag auf den Weg zur Uni an dem nicht existierenden Unilodge vorbeigelaufen. Soll ich dieser Frau, die weder die Stadtekarte von Melbourne zu lesen weisz, noch eine Kontaktnummer mit google finden kann, wirklich noch eine Chance geben. Ich habe ihr also die Suchwoerter fuer google diktiert und so konnte ich endlich bei der Airline anrufen. Bei der kostenpflichtigen Nummer ging keiner ans Telefon und ich wurde stattdessen mit einer Bandansage abgefertigt. Diese hat dann angesagt, dass die Checkins ausnahmslos 45 Minuten vor Abflug geschlossen werden. Super, ich konnte also nicht das naechste Shuttle nehmen. Ich landete wieder auf der Bank und war verzweifelt. Irgendwie muss man mir das auch angesehen haben, weil meine Kurzzeitbanknachbarin mich gefragt hat obs mir nicht gut geht. Sie hatte dann noch eine Loesung fuer das Problem und verwies auf die Moeglichkeit eines Taxis. Ja, daran hatte ich auch schon gedacht, es aber auch Geldgruende zunaechst ausgeschlossen. An der Ampel erspaete ich ein Taxi, bedankte mich bei meiner Kurzzeitbanknachbarin und rannte los. Der Taxifahrer war sehr nett und nach 10 Minuten hatte sich dann herausgestellt, dass er auch etwas in die Informatikrichtung studiert hat und bei ihm im Lande keinen Job bekommen konnte. Eine Lebensgeschichte und zehn Minuten spaeter war ich dann schon am Airport angekommen und bekam noch einen zehn Dollar Rabatt, weil mich der Taxifahrer nett fand und er obenhin lobte, dass ich als Frau sowas studiere. Durch die kurze immernoch 40°C Hitze gings dann in den Airport bei dem ich fuenf Minuten spaeter eincheckte und mich mit einem Beruhigungschai ans Abflugterminal setzte. Es kann nur besser werden. Wie oft sagt man das eigentlich und greift richtig in die Scheisse?
Der Flug verlief problemlos und brachte gen Ende mich und alle anderen Passagiere zum Lachen. Die Maschine hatte Turbolenzen und fiel durch ein Luftloch "kurz runter". Was fuer ein geiles Gribbeln!
In Hobart habe ich das Airportshuttle zum Hostel genommen und auf dem Zimmer eine meiner fuenf Zimmergenossinnen kennengelernt. Zusei aus Suedkorea hat mich dann abends zum Hafen begleitet. Sie war richtig verwundert wie schoen Hobart in der Nacht ist und wir hatten einen schoenen Abend an dem wir viel ueber allerlei geplaudert haben. Zusei ist die erste gut englisch sprechende Asiatin, die ich hier soweit kennen gelernt habe, ich habe also mal nicht in die Scheisse gegriffen :)
Anschlieszend gings zurueck ins Youth Hostel, in dem wir das billigste Bier der Stadt genossen und ein paar Ansaessige und Brandon trafen. Gen elf sind wir dann ins Bett, da 7:30 Uhr unsere Touren starteten.

Der erste Tag.




Endlich ging also Tasmanien fuer mich richtig los.
Ich wurde mit einem Kleinbus abgeholt und gleich gings weiter um die restlichen Mitstreiter einzusacken. Unser Tourguide war Nathan und er hatte bisher kaum etwas erzaehlt. Ich sasz waehrend der gesamten Tour vorne als Beifahrer und war fuer die Unterhaltung von Nathan, die Bereitstellung von Essen (Niemand kann sich mit angucken, wie Nathan versucht Chips zu essen und alles ueber seinem Holzfellerhemd zerkruemmelt und mit fettigen kleinen Patschehaendchen versucht mehr Chips aus der Tuete herauszukriegen, aber dann nicht schafft seine Hand aus der Tuete zu entfernen). Nathan kam gerade von einer Reise aus Suedamerika zurueck, wo er die letzten paar Jahre verbracht hatte um in Chille und Argentinien Straszenkindern englisch beizubringen und sich mit der Arbeit in Hostels ueber Wasser gehalten hat. Nathan war irgendwie kein Tourguide fuer uns, wir haben ihn immer nur liebevoll untereinander "Fahrer" genannte, denn von alleine hat er kaum etwas erzaehlt. Das ganze war also keine Tour im klassischen Sinne, vllt war es ja genau deswegen so schoen erholsam? Fragen hat Nathan jedenfalls super beantwortet, wenn er etwas nicht wusste, dann hatten wir immer noch unsere beiden Alleswisser Justin und Geroin :)
Am ersten Tag stand dann viel Fahrerei auf dem Plan und wir wurden gelegentlich von Nathan aus dem Bus gekickt um mit ihm stillschweigend das eine oder andere sehenswerte zu bestaunen.




Wir. Wir waren ingesamt 9 Leute:



Johannes(25), Student der Robotik, aus Oesterreich,
Ina(27), Studentin BWL, aus Deutschland,
Rachel und Whyman(so um die 27), in Australien Englisch Studierende, aus Hong Kong,
Geroin(Wie ich spaeter herausfand 53. Wir hatten wirklich Probleme ihr Alter einzuschaetzen, da sie sich sehr jung kleidete und ordendlich vom Marathonlaufen durchtrainiert war. Natuerlich hat sich keiner getraut sie zu fragen. Als ich am Abend im Pub dann eine Wette verloren hatte, musste ich leider ran. Ich habs auch wie ich finde ganz witzig angestellt zu fragen: "Geroin, du bist doch so viel rumgereist, du hast doch bestimmt auch einige tolle Stempel im Reisepass vorzuweisen? Ich habe gehoert, dass man in Japan sogar eine wunderbare Extraseite bekommt. Kann ich mir denn da deinen Reisepass mal anschauen?". Was ich eigentlich gemacht habe, ist mir auf der ersten Seite ihr Geburtsdatum anzusehen. Naja oke, vllt haette es noch intelligentere Moeglichkeiten zu gegeben: "Sachma Geroin, koenntest du eigentlich meine Mutter sein?". "He Geroin, in China kriegt man doch Tiere anhand seines Geburtsjahres zugewiesen, was bist du denn? (Das waere immerhin gut gewesen um eine Antwortemoeglichkeiten auszuschlieszen)...aber letzten Endes ists dann eben der Reisepass geworden *g*), Ex-Extrem-Marathon-Laeuferin und japnisch-chinesisch sprechendes Sprachwunder und klugscheissende Nervensaege, aus Australien,
Justin(29), steuerpruefender pfadfinderner Beamter, aus Schottland,
Lisa(33), arbeitaufgebende und auswanderungswillige Ex-Tourismus-Angestellte, aus England,
Hans(24), Student der Politikwissenschaft und BWL, aus den Niederlanden
und Julia(21), teils Studierende und teils Studentin, aus Deutschland.
Wer hat eigentlich gesagt, dass man Menschen nicht in kurzen Worten beschreiben kann? Irgendwie habe ich auf der Reise ein kleines Stueckchen Lebensgeschichte von jedem mitbekommen, schon seltsam was fuer unterschiedlichen Menschen man auf so einer Reise begegnet. Teils interessant, teils nervig und teils einfach nur langweilig. Und wenn es abends ans Essenmachen geht, wird aus neun Einzelpersoenlichkeiten ploetzliche eine Gruppe :)
Ich fand unsere Reisegruppe sehr gut, wir sind alle bestens miteiander klar gekommen und hatten viel Spasz! Spasz, oke, vllt sollte ich mal weiter erzaehlen :)
...
Endlich mal wenig Deutsche, yiha noch ein Indikator, dafuer dass dieser Trip keine schlechte Idee war. Der erste Indikator war uebrigens das Bier am ersten Abend, preiswert und seeehr lecker!
Gegen fuenf haben wir dann in Queenstown angehalten und wurden mit der Bedeutung eines "Bogans" (Landei) vertraut gemacht. Was fuer eine verschlaffene kleine Stadt, was fuer seltsame Leute. Nathan meinte, wenn man in dieser Stadt gebohren wird, dann stirbt man da auch. Aber nicht ohne sich vorher mit einem Familienmitglied fortzupflanzen. (Daher bekam Launceston, dass wir dann spaeter besuchten, auch den Spitznamen Inceston)
Da wir eine Kueche am Uebernachtungsort fuer die naechsten zwei Naechte zur Verfuegung hatten, beschlossen wir gemeinsam zu kochen. Der eine sollte die Tute Fertigsosze halten und der andere das Wasser erwaermen oder so :) Das Kochen war unter Zuhilfenahme eines Bieres sehr gesellig und alle lauschten erfuerchtig Hans Tipps zur Vermeidung von Brocken in der Fertigsuppe.



Da unser Uebernachtungsort Tullah an einem See gelegen war, kamen einige wenige Bekloppte natuerlich auf die Idee in diesem kalten Ding baden zu muessen. Natuerlich war ich dabei. Begleitet von Ina und Hans, wagte ich mich also in den See. Nach einer Zeit wurde es im Wasser ganz gemuetlich und Hans beharte immer wieder darauf, dass das Wasser 20 Zentimeter warm waere. Bei Ina und mir hat das nur zu einem doofen Grinsen gefuehrt *g*
Der See war in einem Tal gelegen, dass von mehrern Bergen gebildet wurde, was fuer ein wunderbarer Anblick beim Schwimmen!
Der letzte Punkt auf der Tagesordnung war dann die Planung des morgendlichen Duschvorganges, der bei drei Frauen und einer Dusche pro Zimmer einer ordendlichen Koordination bedurfte. Am naechsten Morgen musste ich dann mit Erschrecken feststellen, dass es Frauen gibt, die sehr viel laenger als ich im Bad brauchen und auch nach den eingeplanten 25 Minuten nicht fertig sind. Da ich die letzte in der Badwarteschlange war, musste ich die Zeit wieder rausholen. Fuer mein versuchtes Planen eines Ablaufes hatte ich dann auch meinen Ruf weg. Ich war die Plan-lady. Natuerlich hatten die Maenner kein Verstaendnis fuer solch uebertriebene Planwirtschaft, alle maennlichen Mitstreiter begannen voellig verschlafen und etwas vom kurzen Wasser-ins-Gesicht-spritzen fuenf Minuten vorm vereinbarten Abmarschtermin an. Wir haben es nicht einmal in den fuenf Tagen geschafft, puenktlich abzureisen und genau das sicher Teil des Urlaubsgefuehls :)

Sooo der zweite Tag ging also los.



Am ersten Zwischenziel angekommen, blickten wir auf eine riesengrosze Sandmauer. Nach ein Paar Schritten in die richtige Richtung haben wir dann festgestellt, dass es sich um eine Sandduene handelt. Nach einem steilen Weg bergauf zur Sandduene, der ewig lange gedauert hat und sehr anstrengend war, hat Hans dann ein Boogieboard gefunden und beschlossen sandsurfen zu gehen. Die anderen sind schon zugelaufen und ich habe aufgepasst und Bilder davon gemacht wie sich ein Niederlaender steil bergabwaerts stuerzt.



Natuerlich habe ich es dann auch probiert und fand das Erlebnis sehr toll! Die Angst vergeht schnell, weil der Widerstand durch den Sand so grosz ist, dass man nicht allzu viel Geschwindigkeit erreicht. Weiter gings zum Gruppenblid und dann sandsurfender Weise die Duene runter zum Bus zurueck. Als naechstes stand eine dreistuendige Wanderung zu den "Montezuma falls" an, die durch den gemaeszigten Anstieg und interessante Mitreisende doch recht kurz erschien.





Nach gefuehlten 20 Minuten und 30 Schlammloechern (natuerlich hat es kurz vorher noch einmal geregnet) kam dann eine grosze Haengebruecke, auf die alle wie bekloppt losgerannt sind um Springen in der gleichen Frequenz zu erproben. Auf dem Rueckweg haben wir dann auch das Schild entdeckt, dass ein Maximum von zwei Erwachsenen gleichzeitig vorschreibt....hmm ja. Die Montezuma-Faelle sind nicht allzu grosz ausgefallen, da der Sommer bisher mit wenig Regen fuer die Region verbunden war. So habe ich mit ein paar anderen zusammen die Gelegenheit genutzt, viele sinnlose Bilder zu machen und an den klitschigen Felsen dem Wasserfallanfang ein bisschen entgegen zu krabbeln.
Schon gings auch wieder zurueck nach Tullah in die Kueche, in der an diesem Abend die Chinesinnen ihre Kochkuenste unter Beweis stellten. Einige Bier spaeter sind dann alle in die Betten verschwunden und der naechste mit Verspaetungen im Bad und immernoch mir am Ende der Warteschlange stehende Tag begann.

Der dritte Tage.
Auf gings zu Cradle Mountain. Nathan hatte uns natuerlich nicht vorgewarnt, was uns wettertechnisch dort erwarten wuerde. So habe ich an diesem Tag beschlossen meine Jeans zu tragen und es spaetestens das Flussbett bergaufwaerts stapfend bereut.




Als wir dort ankamen, war es nicht nur saukalt, nein es hat auch noch geregnet und war ordendlich windig. Zu allem Ueberfluss schnee-regnete es auch und auf der Spitze des Berges war Schnee zu sehen. Klasse. Nachdem wir also die letzten beiden Tage Temperaturen 25°C bis 35°C hatten, fanden wir uns ploetzlich in mitten einer Schnee-Regen-Kaelte wieder. Einige wenige Glueckliche waren auch auf dieses Wetter vorbereitet und zogen sich ihre Wanderausruestung ueber. Haette ich nicht eine Jacke von Johannes bekommen, die den Wind gebrochen hat, waers mir richtig dreckig gegangen. Gluecklicherweise habe ich meine auf dem Victoriamarkt erstandene Muetze dabei und habe noch einen Schal von Geroin bekommen. Auf gings zum Rundgang um den See. An einen der Wegpunkte haben wir dann ein Zeichen fuer eine andere Route entdeckt und unseren Tourguide auch einmal als solchen gebraucht und nachgefragt.



Ziemlich steil, sehr windig und nichts fuer Kletteranfaenger. Super, Johannes, Hans und ich hatten also unsere Entscheidung getroffen und verabschiedeten uns von den anderen. Hoch gings im Flussbett, dass von Schiefersteinen ausgeschmueckt war und meine Fuesze unter Wasser setzte. Da prasselte der Fluss also runter und wir liefen mitten drin steil hoch. Am ersten Gipfel angekommen, wehte ein eisiger Wind und weiter gings zum naechsthoeheren Gipfel am schmalen Gebirgskam entlang. Dass es die ganze Zeit windig war und geschneeregnet hat, werde ich ab jetzt der Einfachheit halber nicht mehr erwaehnen, es war aber echt uebel! Ab dem naechsten Gipfel kam dann die naechste Herausforderung dazu: es ging steil den berg hoch und da keine vernuenftigen Trittspuren mehr da waren, mussten wir uns an der einer Kette hochhangeln. Sehr geil! Am vorerst hoechsten Berg angekommen, haben wir dann eine wunderbare Aussicht genossen, typische Bergsteigerfotos gemacht, den verschneiten Gipfel fotografiert und uns entschlossen aufgrund der guten Zeitlage noch weiter zu laufen. Nach zehn Minuten mussten wir dann aus Zeitgruenden umdrehen und waeren doch noch so gerne weitergelaufen. Der Weg bergab war dann richtig schwierig, Konzentratin war gefragt nicht auf einem der spitzen Steien auszurutschen. Da kletterte ich also mit meinen nassen Jeans, geborgten Sachen und Fuszballhallenschuhen ohne Grip herum und fand es einfach nur toll! Wir haben unsere Tour nicht einmal bereut, und das obwohl wir danach nicht allzu viel von unseren Beinen spueren konnten und schleunigst aus unseren Klamotten rausmussten, bevor uns die im 5°C unten zu arg zusetzten. Ich glaube so sehr habe ich schon lange nicht mehr gefroren, ein ganz netter Kontrast also zu den 40°C in Melbourne :)




Danach gings zum naechsten Ausflugspunkt und vorher noch zu einem kurzen Zwischenstopp an einer Raststelle, deren Handtrockenblasegeraet ich dann fuer 10 Minuten okupierte. Eine halbe Stunde spaeter fuehren wir durch strahlenden Sonnenschein und fanden uns in 26°C von einem blauen Himmel umgeben vor.
Der naechste Stopp war dann eine Honigverkostung, die ich zum exzessiven Schokolade-mit-Honig-statt-Zucker-Konsum benutzt habe um mich in Stimmung auf die kommende Lachsverkostung zu bringen. Dort wurden wir dann von zwei Deutschen, die nach Tasmanien auswanderten, um eine Lachfarm aufzumachen, begrueszt und konnten den sueszen Honiggeschmack beseitigen :)





Schon gings weiter gen Launceston alian Inceston. Hier haben wir Whyman, Rachel und Ina verabschiedet und abends nach einer Erkundung oertlicher Besonderheiten wie sprechender Kissen in der Innenstadt, den Pub aufgemischt.




Ich habe die Gelegenheit genutzt um Lisa mit deutschen Trinksitten vertraut zu machen und ihr dabei die Wichtigkeit des in-die-Augen-Schauens noch einmal eindringlich gemacht. Fuer Lisa war das damit auch gleichzeitig ein Abend der Erkenntnis, da sie die letzten sieben Jahr wohl nicht allzu gluecklich in dieser gewissen Hinsicht verbracht hat. Jaja und wieder ein Stueckchen Lebensgeschichte :) Aso und keine Details!


Tag Vier
Nach einer leckeren Kaeseverkostung in Priscilla, ging es dann auf zur Erklimmung des Aussichtspunktes, von dem aus wir den "Bay of Fire" (Ich hoffe wirklich, dass er so heiszt) sehen konnten. Damit nicht genug, wir wollten diesen hochgelobten Strand auch sehen!
Auf gings zu einem steilen Weg bergab, der dafuer sorgte, dass auch wirklich alle Fruehstueckskalorien und auch das kleinste bisschen unverzichtbare Nutella verbrannt wurden. Am Strand haben wir uns alle wieder mit einer dicken Sonnencremeschicht eingeschmiert und uns in 2cm-kalte-Vergenuegen gestuerzt.
Danach gings dann zum Einkaufen der Zutaten fuers allabendliche Kochen und gen Bicheno.
Dort hatten wir dann ein Super-BBQ und brachen zur Abenddaemmerung zum Strand auf. Still auf einem Felsen verharrend, hofften wir, dass unser Nathan keinen Scheiss erzaehlt hat, und wirklich gleich die Pinguine von "Pinguin Island" zurueck zu ihren Behausungen am Strand kommen. Als es stockduster war, sahen wir dann kleine leuchtend-weisze Flaechen die sich nach Adaption der Augen an die Dunkelheit als Minipinguine herausgestellten hatten. Nathan hatte Recht und die Pinguine sind im wahrsten Sinne des Wortes zwischen unseren Beine durchgelaufen. Wir haben die niedlichen Tierchen dann noch ein ganzes Stueck begleitet, dabei den wunderschoenen Sternenhimmel bewundert, den man in Melbourne natuerlich nicht zu sehen bekommt, und versucht die Pinguine zu fotografieren. Leider haette Blitzlicht die Pinguine zurueck ins Wasser verschreckt, drum waren Hans und Johannes mit Rotlicht bewaffnet zehn Minuten eifrig dabei Bilder zu machen. Meine Bilder sind leider nichts geworden, aber ich hoffe, dass sich jetzt das rote Licht auf den kleinen Pinguinen erklaert. Wenn ihr ueberhaupt die Pinguine erkennen koennt.



Nach weiteren erbitterten Fotoversuchen haben wir dann beschlossen den letzten Abend richtig einen drauf zu machen. Mit extraviel Bier und einer guten Fleischgrundlage bewaffnet, begaben wir uns in den Gemeinschaftsfernsehraum, in dem eine Spezialausgabe der in Australien gedrehten Serie McLeods Toechter uns auch das letzte bisschen Lebenskraft aussaugte. Enttaeuschend frueh und kaputt gings dann ins Bett um den letzten Tag frisch zu erleben.

Tag fuenf.
Jaja der letzte Tag. Julia packt schoen brav ihre Sachen zusammen. Hmm komisch, der Haarknaeul sieht aber seltsam aus. Moment. SCHOCK. Eine riesengrosze Spinne (Ja, ich weisz, dass ich da auch nicht objektiv bin) sasz auf der Tuete, in der ich die ganze Zeit rumgekramt habe. Ich springe als ins andere Ende des Raumes und mache das, was eine Frau in der Situation einfach tun muss. Ich schreie so laut und histerisch wie ich kann. Die arme Spinne blieb voellig verstoert auf der Tuete sitzen und Lisa versuchte mich zu beruhigen. Irgendwie muss Nathan meinen Schrei wohl gehoert haben (Jeder, aber auch jeder im Umkreis von einen Kilometer hat es, nur Johannes unter der Dusche war von den Erzaehlungen der anderen ueberrascht. War echt lustig als die anderen beim Fruehstueck eingetroffen sind und gefragt haben "Sagt mal, habt ihr vorhin auch was schreien gehoert? Was war das denn?") und kam zur Hilfe geeilt. Er hat das Tier entfernt und mich zitternd zurueck gelassen. Bisher bin ich doch so wunderbar den Spinnen entkommen, WIESO musste das jetzt sein? Wieso meine Tuete? Ein wenig spaeter habe ich dann sogar bereut kein Foto von der Spinne gemacht zu haben, ich glaube das ist als Zeichen zu deuten, dass ich die Spinne verarbeitet habe.
Auf dem Nachhauseweg gings dann zum letzten Zwischenstopp zu einem wunderbaren Tier-Naturpark, in dem wir tasmanische Teufel und andere ansaessige und uns bisher verborgen gebliebene Tiere bestaunen konnten.







Wir kamen dann nach einer langen Heimfahrt voellig verspaetet in Hobart an und haben uns sogleich fuer eine Stunde spaeter im Pub verabredet. Da saszen wir dann alle zusammen und haben noch ueber die eine oder andere lustige Begebenheit resumiert und Emailadressen ausgetauscht.

Am naechsten Morgen habe ich dann zwar verschlafen, mein Busshuttle zum Hobarter Flughafen aber puenktlich bekommen. Der Rueckflug hielt zum Ende hin ein bekanntes Ereignis parat: waehren der letzte Flug nur einen sehr kurzen Bauchkribbelanfall bereithielt, war diesmal der Fall etwas laenger und das Bauchkribbeln recht ordendlich! Auch diesmal hat das Flugpublikum entsetzt gelacht und war danach sehr entspannt. Schon alleine deswegen ist so ein Flug also empfehlenswert :)

Am Flughafen in Melbourne aussteigend die naechste Ueberraschung: Hitze! 36 Grad ueberraschten mich und waren mir alles andere als behilflich bei der Suche nach dem Airportshuttle der Firma Jetbus. Dieses Mal habe ich gleich angerufen und nachgefragt welchen Domnestic Airport sie meinen, wer weisz schon wieviele es diesmal davon gibt. Die Frau hat mir dann das Kennzeichen des Shuttles durchgegeben und so stand ich in der Hitze und wartete auf das schwarze Automobil. Doch es kam nichts. Natuerlich habe ich noch zwei-dreimal bei der Frau angerufen und nachgefragt, der Fahrer ist wohl einfach zu spaet dran gewesen. Nach 40 Minuten warten und keiner Aussicht auf ein Shuttle, kam dann ein Inder um die Ecke mit einer kleiner Aufschrift auf seinem Hemd, die verrieht, dass er fuer die Firma Jetbus arbeitet. Er geleitete mich dann zum silbrigen Auto mit vollkommen anderen Kennzeichen und ohne irgendeinen Schriftzug, der auf die Firma hinweisen koennte. Ich mag diese Firma nicht. Die andere Mitreisenden des Shuttles waren ebenfalls nur wenig ueber das Warten und umstaendliche Finden des Shuttles erfreut und erzaehlten mir ueber aehnliche Erfahrungen wie die auf meiner Hinreise. Auch wenn das Shuttle mich bis vor die Haustuer gefahren hat, das naechste Mal bezahle ich drei Dollar mehr und nehme die Busse der Stadt, die grosz, rot und gut gekennzeichnet sind!

Alles in allem war Tasmanien wirklich wunderbar, irgendwie wie Australien im Kleinen. Wenn ich noch einmal nach Australien kommen sollte, dann werde ich definitiv mehr Zeit in Tasmanien verbringen, dass mit seiner wunderschoenen Landschaft und den angenehmen Temperaturen ein super Ausflugsziel fuer alle Aktivurlauber ist. Ich hatte sehr bewegte fuenf Tage und war froh, dass ich das Buero verlassen habe :)
Ich freue mich schon sehr auf die Ostkueste, auch wenn die Temperaturen dort etwas zu warm fuer mich sind, hoffe ich doch die richtigen Reisen geplant zu haben, um an meine guten Erfahrungen in Tasmanien anknuepfen zu koennen.

Am Mittwoch (21.1.09) ging es dann abends fuer Kent, Guenni und mich zu den Australian Open, wo wir bis frueh um eins den juengsten Gewinner eines Matches bei den Australian Open beim Verlieren zuschauten :)




Am Donnerstag und Freitag habe ich dann noch einmal ordendlich fuer die Uni rangeklotzt, ich bin mit dem Stand der Dinge sehr zufrieden!

Am Freitag ging es dann zum Strandhaus von Kents Eltern in Dromana, wo wir viel gutes Essen hatten und in der Gegend golfen waren und am Sonntag Abend dann das haifreie Wasser unsicher machten :) Boogieboarden ist schon eine tolle Sache, jetzt verstehe ich auch diese ganzen scheinbar Bekloppten, die auf die perfekte Welle warten!

Heute habe ich dann die Fluege und Busverbindungen zur Ostkuestenreise gebucht, die ich naechsten Donnerstag (5.2.) antreten werde.

Ich berichte dann bald wieder, erstmal muessen sich meine Haende von der mehr als zweistuendigen Schreibarbeit erholen :)
Auszerdem brauche ich Schlaf, da mich morgen Arbeit erwartet und 38°C schon einen kuehlen Kopf erfordern! Das hat man uebrigens davon, wenn man sich ueber den kuehlsten Sommer seit sieben Jahren in Melbourne beschwert: Dienstag: 38°C, Mittwoch 41°C und die folgenden drei Tage: 40°C. Wahrscheinlich werde ich mich in den naechsten Tagen oefter in die aufgrund des Semesterbeginns sicherlich voellig ueberfuellte Bibo begeben :)

Auf ein Erwachen ohne Spinnen,
Julia

Dienstag, 13. Januar 2009

A gesunds Neues!

Wie lange soll es seit meinem letzten Blogeintrag her sein? Fast einen Monat? Ihr muesst ja glauben, dass ich nichts mehr zu sagen habe *g* Ich werde euch hoffentlich mit diesem Eintrag zeigen, dass ich noch genug hier erlebe worueber es sich zu schreiben lohnt :)

Bevor ich also in knapp drei Stunden meine naechste Reise nach Tasmanien antrete, komme ich wohl nicht drum rum doch ein kleines Resumé ueber die vier Tage in Sydney abzugeben. Toll wars. Sydney fuehlt sich sehr viel groeszer an als Melbourne und es gibt ehrlich gesagt einiges mehr zu sehen. Besonders toll an Sydney ist dabei, dass alles in Walking distance, also zu Fusz erreichbar, ist. Ich durfte eine Ballettvorstellung in Sydney miterleben, die unglaublich schoen war. Die Kostueme waren sehr aufwendig und ich finde es bewundernwert, wie die AKteure sich in Ihnen bewegen konnten. Der Saal war komplett ausgebucht und die Besucher dieser Auffuehrung haben die Oper nicht nur als Amusement genutzt, sondern auch um ihre Robe in Szene zu setzen. Der Trend ist Sydney ist klar: Frau muss mindestens zehn Zentimeter Absatz tragen. Lustig dabei ist, wie einige Frauen versucht haben darin zu laufen und dann noch Stuerze ueberspielt haben, es gab also einiges zu sehen und fuer Unterhaltung war auch in den Pausen gesorgt!
Mein Hotelzimmer. Vielleicht sind meine bisherigen Erfahrungen mit Hotelzimmern einfach zu gut gewesen. Es musste also so kommen. Als ich das Sechsbettzimmer betrat und hoffte, dass es nicht ausgelastet ist, springt mir jede Menge Muell und Essen ins Auge. Alles liebevoll und zu sehr interessanten Mustern auf dem Boden verteilt, teilweise auch schon eingezogen. Hmm jammi, wo bin ich hier gelandet? Fuenf Minuten spaeter wagte sich die Reinigungskraft in unser Zimmer und versucht ihre bestes. Spaeter habe ich dann mitbekommen, was die Ursache des Chaos war: eine indische Familie hat eine Woche lang in dem Zimmer gehaust und im wahrsten Sinne des Wortes vom Boden gegessen. Andere Kulturen, andere...naja ihr wisst schon.
Meine Zimmergenossin war eine sehr nette Oestereicherin, die das gleiche Viertagespaket wie ich gebucht hatte und mit der ich viel Spasz in Sydney hatte!
Am ersten Tag haben wir die Stadt zu Fusz erkundet und fuer mich ging es abends in die Oper. Am zweiten Tag gab es dann Sightseeing mit einem Stadttourbus, am dritten Tag ging es zu den Blue Mountains und am letzten Tag schlieszlich mit der Faehre nach Manly. Fuer Einzelheiten verweise ich auf mein Fotoalbum :)
Ich moechte mich an dieser Stelle bei allen Australien entschuldigen fuer das was ich ueber australisches Englisch gesagt oder geschrieben habe. Ich habe in Sydney auf dem Dach unseres Hostels drei Iren(Menschen, aus Irland) kennen gelernt habe. Nachdem diese mir glaubhaft versicherten, dass sie keine betrunkenen Australier sind (Das war meine erste Vermutung, die ich natuerlich laut geaeuszert habe), habe ich die drei nur noch mit offenen Mund angestarrt! Das ist kein Englisch! Als kleiner Tipp fuer alle die, die Probleme haben die jeweiligen Englischakzente auseinander zu halten: Iren klingen wie stinkbesoffene Australier. Naja und sie nuscheln noch. Wie dankbar war ich danach in den Straszen Sydneys australischen Englisch warzunehmen!

Das neue Jahr fing fuer mich dann mit Arbeiten im Buero ab dem 1. Januar an. Ich habe entschieden ordendlich vorzuarbeiten um beruhigt meine Reisen antreten zu koennen. Ich bin bisher sehr froh ueber das was ich gemacht habe und bin mit dem Programmieren eigentlich fertig. Jetzt gilt es "nur noch" das ganze zu testen :) Waehrend die Tests auf den Rechnern im Buero laufen, werde ich meine Studienarbeit weiter schreiben. Ihr braucht euch also keine Gedanken zu machen, ich mach hier schon mein Ding! Nachdem ich heute ein Nachricht von unserem Magdeburger Betreuer Georg erhalten habe, muss ich mir nur die naechsten Tage Gedanken machen, ob ich meine Studienarbeit auf englisch oder auf deutsch verfassen will. Bisher habe ich alles auf englisch geschrieben, mich hier und da aber bei wenig originelle Formulieren ertappt und meine Ausdruckfaehigkeit in englisch als recht begrenzt empfunden. Wenn ich die Arbeit auf englisch verfassen wuerde, wuerden die Gleichen Maszstaebe an sprachliche Richtigkeit und Ausdruckfaehigkeit angesetzte werden als wuerde ich deutsch schreiben. Vielleicht komme ich in den naechsten sechs Tagen endlich in den Genuss einer rein englischen Reisegruppe und damit endlich dazu mein deutschenglisch aufzubessern! Drueckt mir die Daumen!

Nachdem ich einige Tage in unserer kleinen Staubhoehle namens Buero verbracht habe, habe ich es nicht mehr ausgehalten. Wenige Minuten spaeter, habe ich mich mit Reinigungssachen bewaffnet und die Regale meines Vorgaengers richtig ausgemistet. Da ich mich nicht getraut habe, alles weg zu schmeissen, habe ich alle Zettel in eine Kiste gepackt (die jetzt auf Guennis Seite des Bueros steht *g*) und nur die Buecher stehen lassen (Das sieht immer so schoen intelligent aus, ich dachte "neues Jahr, neues Image").

Ich war uebrigens nicht die Einzige, die zu Neujahr die Arbeit wieder aufgenommen hat, alle Supermaerkte in Melbourne hatten am 1.1. bereits acht Uhr geoeffnet. Die Australier haben sich ueber die Feiertage nur einen einzigen Tag Ferien gegoennt, die armen Mitarbeiter!

Eigentlich wollte ichs mir verkneifen, aber ich muss an dieser Stelle doch noch einen Kommentar zum wissenschaftlichen Arbeiten abgeben. Nachdem ich mich in letzter Zeit mit allerlei Papern rumgeplagt hatte, kann ich nun ein teils erschreckendes teils amuesantes Resumé ziehen.
Erschreckend.
Beim TSP (Travel(l)ing Salesman Problem, Problem des Handlungsreisenden) geht es darum eine Tour durch einige gegebene Anzahl von Staedten zu finden, die minimal ist. Darunter kann man sich zum Beispiel auch Touristen vorstellen, die eine bestimmte List von Reisezielen abarbeiten wollen und dabei den kuerzesten Weg zwischen den Reisezielen zuruecklegen moechten. Gesucht ist also eine Reihenfolge von Reisezielen bzw allgemein eine Reihenfolge von Staedten. Dieses Problem ist bisher nicht effizient loesbar, da es gerade fuer viele Staedte zu viele Anordnungsmoeglichkeiten fuer die Staedte gibt.
Hier kommen Heuristiken ins Spiel, dies sind Loesungsstrategien, die keine exkate Loesung liefern, sondern nur eine Naeherung. Das gute an Heuristiken ist, dass sie schneller zu berechnen sind. Schlecht ist jedoch, dass man oft nicht gewaehrleisten kann, dass die gefundene Loesung optimal ist.
Wenn man von einer Instanz des TSP spricht, dann meint man damit zum Beispiel eine Karte mit einigen markierten Staedten und gegebenen Entfernungen zwischen allen Staedten. Das alleine ist nun noch nicht erschreckend, vielmehr das folgende:
Ich hatte ein Paper aus China in dem Wissenschaftler eine Heuristik vorgestellt haben, die sie an einer einigen Instanz des TSP getestet haben. Diese Instanz hatte 30 Staedte. Das ist ein Witz. Das ist wie als wuerde ich sagen, dass ich fuer eine Person schnell ein tolles Gericht zaubern kann, also kann ich es auch schnell fuer 1000 Leute. Das gleiche Paper hat dann mit den Worten abgeschlossen "Unser Verfahren ist besser als ein anderes" (engl."our approach is better than another"). Na klar. einfach besser. Denn es funktioniert ja im kleinen und wurde super getestet! Ich hatte immer so viel Respekt vor all den Genies, die ein Paper veroeffentlicht haben. Nach diesem halben Jahr weisz ich, dass Paper nicht gleich Paper ist!

Andere Paper sind lassen sich gut lesen und man kommt auf die Idee das beschriebene umsetzen zu wollen und fragt den Autor nach dem Quelltext seines Programmes. Hier muss man nun zwei Faelle unterscheiden:
a) Quelltext? Entschuldigen Sie bitte, aber ich habe das Paper vor zwei Jahren veroeffentlich, ich habe den Quelltext nicht mehr auf meinem Rechner. Na klar, die 100 KB mussten einfach runter, ich hatte keinen Speicher mehr. Inzwischen werden einem beim Einkaufen schon 2GB USB-sticks fuer 5 Euro nachgeworfen, ob ich den Typen wohl mal so einen schicken soll?
b) Ja klar, ich habe das Programm im Anhang angefuegt. Nein, da ist nichts. Ich schreibe als eine hoefliche Nachricht. Zweiter Versuche...Programm im Anhang angefuegt. Oehm nein. Also ja, da ist was im Anhang, aber nicht das richtige! Noch eine Mail. Hmm oh das tut mir aber leid, was fuer ein Programm wollten Sie eigentlich? Noch eine freundliche Mail zurueck. Zwischen jeder Mail vergeht natuerlich mindestens ein Tag. Einige Tage spaeter bekommt man dann eine Programmdatei zugeschickt. Keine README-Datei, keine Erklaerung wie das ganze auszufuehren ist. Ich quaele mich also durch das Programm, in der Hoffnung, dass es gut kommentiert ist. Das ist es auch, aber auf italienisch!
Nach diesen Erfahrungen habe ich beschlossen, neben dem Studium zu arbeiten und programmieren zu lernen, denn so will ich nicht enden!
Im Dezember war hier an der Uni Melbourne eine Konferenz, an der mein Supervisor teilnahm und Guenni und ich auch fuer den einen oder anderen Vortrag anwesend waren. Leider war auch dieses Erlebnis ein klein wenig ernuechternd. Viele Redner waren der englischen Sprache nicht maechtig, sodass wir den Vortraegen kaum folgen konnten! Das kostenlose Essen auf der Konferenz war aber ganz toll!

So und nun mal zu den angenehmen Themen.

Sonne. Nachdem wir immer wieder zu hoeren bekommen haben, den kaeltesten Sommer seit sieben Jahren zu haben, lies sich die Sonne endlich oefter blicken. Heute sollen 37 Grad und morgen 40 Grad erreicht werden. Irgendwie bin ich da sehr froh ins kalte Tasmanien entschwinden zu koennen! So ganz geniesen kann man die Sonne hier leider nicht, da Sonne in Australien stark mit Hautkrebs verbunden ist. Letzte Woche am Dienstag war Australientag im deutschen Fernsehen, so habe ich auch durch meine Mutter erfahren, dass in zehn Jahren jeder zweite Australier an Hautkrebs leiden soll.
Drum habe ich mich gestern dann auf den Weg in die Stadt gemacht um die Apotheke meines Vertrauens (Ich habe die Apotheke aus irgendeinem Grund nicht mehr aufsuchen wollen...die Blicke haben mich wohl doch zu sehr gestoehrt) aufzusuchen. Haben Sie auch Sonnencreme mit SPF 50+? Nein, sowas gibt es hier in Australien nicht, meinte die Frau freundlich. Ich habe natuerlich nachgehakt und ihr erzaehlt, dass es in Deutschland 50+ gaebe. Sie hat dann behauptet, dass 30+ hier in Australien zu 50+ in Deutschland aequivalent waere, ohne auch nur irgendeinen Dunst zu haben was bei uns 50+ heiszt. Sie hat noch einmal betont, dass das hoechste in Australien 30+ waere, was ich nach dem bisher Gesehenen und Gehoerten nur bestaetigen kann. Sie meinte, dass 30+ auch absolut ausreichend waere. Ich ging in dei Offensive. Ich habe ihr erzaehlt, dass ich braun geworden bin, obwohl ich mich eingeschmiert habe. Drum waere es dann nicht mit 50+ in Deutschland vergleichbar, da das wirklich ein Sonnenblocker waere. Sie meinte dann, dass die Sonne hier in Australien sehr viel intensiver waere. Ich habe dann als Einwand gebracht wieso es dann keinen hoeheren Lichtschutzfaktor gaebe. Sie hat noch ein paar Mal nach Luft geschnappt und ich habe mich dann schnell verabschiedet. Immerhin werde ich zwei Wochen im Februar also an einen der heiszesten und sonnenintensivsten Monate an der Ostkueste drauszen verbringen, da wuerde ich mich schon lieber gut geschuetzt fuehlen!

Vorgestern habe ich mir die Laune von der Sonne nicht vermieszen lassen und bin nach St Kilda zum Beachen an den Strand gegangen. Anfangs war der Wind noch ganz annehmbar (nur mit starken Wind in Deutschland vergleichbar), doch gegen abends hin, wurde es dann so stark windig, dass ich im 45 Grad Winkel zum Feldbegrenzungslinie Angaben gemacht habe! Es war ein sehr schoenes Gefuehl durch den von vielen Muschelresten durchzogenen Strand zu robben und ich hoffe sehr, dass sich bald wieder Leute zum Beachen zusammenfinden!

Immernoch beim Thema Sonne, komme ich auf ein Naturereignis der besonderen Art zu sprechen. Nach einem gemuetlichen Kopf-frei-Spaziergang ueber den Campus gucke ich gen Sonne und denke ich sehe nicht richtig: Ein Regenbogen um die Sonne!

Ich habe dann Guenni geholt und versucht das ganze mit meiner Digitalkamera zu erfassen! Gab es da nicht irgendetwas von wegen Goldtop am Ende des Regenbogens? Angesichts der Kreisform des Regenbogens fuehle ich mich da etwas ueberfordert! Naehere Infos und bessere Bilder dazu gibt es unter: http://www.komonews.com/weather/faq/4308372.html

Die Sonne hat auch ihr gutes: endlich startet die Fruechtezeit! Leckere herrliche reife Erdbeeren, Heidelbeeren, Melonen..und nun auch zu erschwinglichen Preisen!

Ich denke, dass ich nun genug zur Sonne geschrieben habe *g*, weiter gehts mit:
Tasmanien :D
In 90 Minuten werde ich vom Airport-shuttle abgeholt, wuenscht mir eine schoene Reise! Der Link zum 5-Tages-Trip ist hier:
http://www.peterpans.com/catalog/product_info.php?cPath=158&products_id=6382&osCsid=s5vkbdc45l3a76gofrkpnmvnc7
Ich habe mir gestern einen 16er Pack Batterien gekauft, kein tasmanischer Teufel kann mir uns meiner Kamera nun mehr entkommen!


Fuer alle die sich jetzt noch fragen ob ich gesund und munter bin: Ich habe alle meine Geschlechtskrankheiten ueberwunden, keinen Sonnenbrand und pass auf mich und die Haie auf!

In diesem Sinne,
bis bald mal wieder :)

Julia

Dienstag, 16. Dezember 2008

Vorfreude, schoenste Freude...

Der morgige Tag wird fuer mich frueh um VIER beginnen. Wieso ich mich in aller Herrgottsfruehe rausquaele?
Ich fliege nach Sydney :) Vor Kurzem habe ich nun endlich alle Reisen geplant und darf morgen die erste antreten. Da mein Flug bereits um acht geht und ich erst zum Flughafen hinkommen muss, muss ich also meinen Wecker recht frueh stellen. Ihr koennt ja in Deutschland an mich denken, wenn ihr 18 Uhr Abendbrot esst *g*

Fuer die vier Tage, die ich in Sydney verbringen werde, habe ich ein Dreitagespaket fuer umgerechnet (Oh wie ich diesem Umtauschkurs liebe!)90 Euro inklussive Uebernachtung und drei Tagesausfluegen gebucht. Am Samstag werde ich mich dann alleine beschaeftigen muessen und fliege dann gegen 21 Uhr wieder zurueck nach Melbourne. Morgen wird nebst der Anstrengung auch ein lohnenswerter Tag, weil ich mir einen Traum erfuellen kann und in das Sydney Opera House gehen werde. Die Tickets fuer eine Ballettvorstellung des australischen Nationalballetts habe ich vor zwei Wochen gekauft und letzte Woche mit der Post erhalten :)

Meine Reisefreude ist durch die Great Ocean Road Tour, die ich vom 4.12. bis 5.12. gemacht habe, in Wallung gekommen.
Wunderschoene Straende, blauer Himmer, das wunderschoene Meer und eine internationale Reisegruppe im Durchschnittsalter von 23, was will man mehr? Endlich habe ich Koalas gesehen, Kaenguruhs bestaunt und mich vor Emus gefuerchtet! Die australische Tierwelt ist sehr faszinierend, so hat uns unsere Reisefuehrerin auf der Great Ocean Road Tour mit immer neuen Verruecktheiten aus der Fauna erfreut. Sei es nun, dass Kaenguruhweibchen in beiden Bruesten verschiedene Milch fuer den Nachwuchs zur Verfuegung stellen, fleischfressene Schnecken existieren (Okay wie sollen Schnecken etwas lebendiges jagen koennen? Sie sind doch zu langsam! Diese schwarze Schneckenart ist es zwar auch, aber sie greift auf ein Gift zurueck um die Beute zu laehmen), Koalas die den Groszteil des Tages schlafen (Fuer alle die, die sich gefragt haben wieso diese niedlichen Tierchen denn solange auf dem unbequemen Baum verweilen koennen: gepanzerte Aersche sind das Geheinmis. Die Kreatuerleinchen schlafen auch nicht freiweillig den ganzen Tag, sie tun es nur, weil der Eukalyptus ihnen kaum Naehrstoffe bietet, die in Energie umgewandelt werden koennen. Auszerdem ist Eukalyptus giftig. Die Koalas werden nur mit der Zeit resistent dagegen. Um den Nachwuchs an das Gift zu gewoehnen, gibt die liebende Mutter dem Jungen ihre Exkremente, die das Gift nicht allzu stark dosiert enthalten) und viele andere Tiergeschichten, die doch sehr an die Maerchen von 1001 Nacht oder an einen betrunkenen gottspielenden Biologen erinnern. Aber sie sind alle wahr. Dass die Flora auch einiges an Merkwuerdigkeiten bereithaelt, liegt natuerlich auf der Hand, aber da die Leser dieses Blogges mir ein ums andere Mal eindrucksvoll die Faehigkeit demonstriert haben, Wikipedia zu benutzen, verweise ich auf diese Wissensquelle und die Erkenntnisse Darwins.

Ein weiterer Grund zu verreisen ist auch dem Melbourner Wetter zu entfliehen. Mal ganz davon abgesehen, dass sich diese Jahreszeit jetzt Sommer schimpft und wir uns in einer ach so schrecklichen Duerre befinden, hat es die letzten Tage bei Spitzentemperaturen von bis zu 19 Grad durchgeregnet. Eine weitere Merkwuerdigkeit der Duerrezeit ist unsere Wasserrechnung gewesen. Man erwartet doch wirklich zu solch problematischen Zeiten eine entsprechende Regulierung des Wasserverbrauchs durch horrente Preise. Nix da, wir haben fuer 6 Wochen eine Wasserrechnung von 12 Euro gehabt. Nein, wir sind nicht sparsam. Ich verweise als Quelle fuer meinen Wasserverbrauch auf den Nebenkostenanstieg im Wohnheim 7, der sicherlich zu 79 Prozent auf mich zurueckzufuehren sein duerfte.
Aber zurueck zum desastroesen Wetter. Also waere ich in der Werbebranche so wuerde ich es so formulieren: "das Melbourner Wetter ist abwechslungsreich, Langeweile wird nicht aufkommen. Wenn Sie die vier Tageszeiten lieben und nicht ein ganzes Jahr warten wollen um sie zu erleben, dann kommen Sie einen Tag nach Melbourne"
Nach tageslangem Regen, reist ploetzlich die Wolkendecke auf und es werden 26 Grad und Sonnenschein. Ja klar fuehlt man sich da verarscht. So hat auch eine Tube Sonnencreme, eine Regenjacke, ein Pullover, ein Schal, Handschuhe, Muetze und eine Sonnenbrille den Weg in meine Handtasche gefunden und werden sicherlich fuer die naechsten zwei Monate dort anzutreffen sein!

Sieht man sich den Wetterbericht vom Rest Australiens an, so wird das ganze schon wesentlich konsistenter: in Darwin sinds zu dieser Zeit immer 31-38 Grad und Regen(Die Moderatoren lachen schon immer, wenn sie Darwin vorlesen und freuen sich uebers "hot und humid"), in Hobart 17-21 Grad und Sydney, Brisbane und Perth relativ bestaendig bei warmen Temperaturen.

Ich bin also nach einigem Recherchieren ins Reisebuero meines Vertrauens gegangen und habe ein Ostkuestenpaket gebucht und einen Fuenftagesaufenthalt in Hobart (Tasmanien). Vom 13. bis 19. Januar bin ich in Hobart und werde dort mit einer 16 Mann/Frau starken Reisegruppe durch Tasmanien ziehen.

Meine letzte Reise vor der groszen Heimreise werde ich dann vom 5.Februar bis zum 17. entlang der Ostkueste antreten. Dabei stehen Whitsundays(3 Tage auf groszer Yacht), Noosa(3 Tage Kanufahren) und 3,5 Tage ab Rainbowbeach Safari an.

Ich bin wirklich gespannt wie meine Reisen sein werden und wuerde mich ja schon fast in Vorfreude von euch verabschieden, wenn ich nicht noch einiges anderes zu sagen haette.

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Warnung! Dieser Abschnitt enthaelt Informationen zu meinen fachlichen Vorhaben! Wenn Ameisen fuer dich nur Tiere sind und du dir nicht vorstellen kannst, wie aus ihnen Agenten werden um komplexe Probleme zu loesen, dann ueberspringe diesen Abschnitt ODER erfreu dich am Klang der Woerter :)
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Wie komme ich bei meiner Arbeit voran? Nachdem ich Ewigkeiten nachhaken musste um den Quelltext zu einigen Programmen zu bekommen, habe ich nun das erste Programm umgeschrieben und beginne ab naechster Woche mit dem was das Ziel meines Studienaufenthaltes hier ist: Testen von verschiedenen Parameters und deren Auswirkung auf die Effizienz des Ameisenkoloniealgorithmuses ACS ("Ant Colony System"). Die letzte Woche habe ich mich dazu in ein bestehendes Programm reingearbeitet, dass in acht Datein aufgesplittet ist und deren groeszte Datei 1500 Zeilen umfasst. Ihr koennt euch sicher vorstellen, dass das etwas gedauert hat. Zumal dann auch noch eine neue Programmiersprache zu "erlernen" war, die schon laenger auf meinem Programm stand: C. Bis ich mich dann durch die ganze Zeiger-auf-Zeiger-Sachen durchgequaelt habe, habe ich das Programm dann fuer mich so umgeschrieben, dass es zufaellige TSP Instanzen, also eine zufaellige aber symmetrische Distanzmatrix generiert und darauf den ACS anwendet. Jetzt muss ich mir vor allem ueberlegen welche Ansatze ich auswaehlen will um die Parameter zu tunen, das wird dann auch schon der Schwerpunkt meiner Arbeit.

Lustig ist auch das Programm, dass ich zuerst ausgetestet habe: ein Fortran-Programm aus dem Jahre 1988, da war ich ein Jahr alt! Das Programm war leider absolut untauglich und hat nicht so funktioniert wie es sein sollte.

So nun habe ich meine Pflicht getan und mal wieder einen Blogeintrag verfasst, den niemand am Stueck zu lesen bereit ist oder niemand am Stueck lesen kann. Ja ich weisz, dass ich mich manchmal kuerzer fassen sollte. Je mehr man schreibt desto groeszer ist die Wahrscheinlichkeit auch irgendwann mal was interessantes zu schreiben!

In diesem Sinne,

vorweihnachtlich-sommerlich-verregnete Gruesze aus der Stadt der vier Jahreszeiten,
Julia

PS: Ich moechte hier noch einmal dem Umtauschkurs Euro - AUD meine Liebe erklaeren! Du hattest so viel mehr zu bieten, als ich es je erwartet habe! Du machst mich so gluecklich, durch dich kann ich so viel neues erleben! Du steigerst dich wunderbar im Verlauf unserer Beziehung. Gleich nachdem zu deine Anfangsschwierigkeiten ueberwunden hast, wusste ich, dass ich dich will!
Bitte lieber Umtauschkurs, bleib mir treu, ich werde dir auch bis Ende Februar treu bleiben und keinen anderen auch nur angucken!
(Informative Kurzfassung: Bevor wir nach Australien geflogen sind, gabs fuer einen Euro 1,60 AUD. Inzwischen kriegt man fuer einen Euro 2,02 AUD)

Montag, 1. Dezember 2008

1. Dezember

Ein wenig angespannt ist man schon immer zur Vorweihnachtszeit: Geschenke sind zu besorgen, Umtauschmoeglichkeiten fuer Geschenke sind vorzuplanen und ganz nebenbei muss man noch gegen den ganzen Weihnachtskitz abstumpfen oder man haelt es nicht bis Weihnachten aus.
Durch meine Reise nach Australien verpasse ich allerlei weihnachtliches in Deutschland: den ersten Schnee, den Magdeburger Weihnachtsmarkt und noch viel wichtiger die mal besinnliche und mal einfach nur coole Zeit mit Freunden.
Beim Morgengfernsehen, dessen Sehen fuer mich inzwischen zu einem allmorgendlichen Ritual geworden ist, ist das ganze Studio schon bunt geschmueckt gewesen und die Frage nach dem Inhalt des Weihnachtskalender machte die Runde. Ich habe bisher immer einen Weihnachtskalender gehabt, umso mehr fand ich es schade, dass ich hier in Australien nicht daran gedacht habe. Auf der Arbeit angekommen, lese ich eine Nachricht von Ricardo, folge dem Link und denke ich sehe nicht recht.
Die werden doch nicht.... oh doch sie haben! Wenn man auf der anderen Seite der Welt ist, glaubt man manchmal, dass die "auf der anderen Seite herunterhaengenden" (Danke lieber Stefan fuer diesen physikalisch vortreffliche Bezeichnung) das kaum bemerken.
Zurueck zum Beginn meines Arbeitstages.
Vier Magdeburger Weihnachtsmaenner und zwei Weihnachtsfrauen haben sich die Muehe gemacht und einen Weihnachtskalender fuer mich zusammen gestellt. Gleich am heutigen Tag hat mich ein Bild vom bunt geschmueckten Weihnachtsbaum im Allee-Center und fuenf illustren Gestalten davor ueberrascht!
Vielen lieben Dank an Bia, Christian, Drea, Hagen, Locke und Ricardo fuer diese tolle Idee! Ich bin sehr gespannt was mich noch alles erwartet, ihr habt mich aber jetzt schon ueberrascht :)
Ich weisz, dass es nicht einfach ist den Kontakt ueber sechs Monate bei zehn Stunden Zeitverschiebung aufrecht zu erhalten. Deswegen moechte ich mich bei meiner Familie und meinen Freunden dafuer bedanken, dass sie so gut den Kontakt zu mir behalten und dazu mich zu manch spaeter oder sehr frueher Stunde noch anrufen oder mit mir schreiben!

Das war heute ein super Start in die Weihnachtszeit, vielen Dank an meine sechs Weihnachtsmagdeburger!
Ich gehe jetzt erst einmal ins Bad und wasche den verlaufenen Maskara ab...

Ich wuensche euch allen eine wunderschoene Vorweihnachtszeit, geniest den Schnee :)

Julia

Mittwoch, 19. November 2008

Haeuptling dicke Lippe bekommt eine Vokabellektion

Der gestrige Tag. Kribbeln auf der Lippe. Ich ahnte, dass ich mal wieder Opfer eines Lippenherpes werden wuerde.
Vertraut mit diesem Schicksahlssachlag, zog ich gleich in die Apotheke im Union house los, jedoch nicht, ohne vorher noch
Herpes bei Leo nachzuschlagen. Herpes wird mit Herpes uebersetzt, relativ intuitiv also. Da stand ich nun in der Apotheke und wartete bis man sich um mich kuemmerte.
Ich habe erst gesagt, dass ich eine Blase an der Lippe habe und etwas dagegen brauche. Die freundliche Verkaeuferin
verwies mich auf Lippenbalsam. Ich blieb freundlich und erklaerte ihr, dass ich Herpes habe und das da wohl nicht ganz angebracht sei.
Daraufhin guckt sie mich komisch an. Ich wiederholte "Herpes" und war mir bei der Aussprache wie sooft in Australien nicht sicher, drum bot ich ihr an es aufzuschreiben. Mit einem seltsamen Gesichtsausdruck gab sie mir Stift und Papier.
Der Chef und die Kunden guckten schon seltsam, weil es wohl offensichtlich war, dass die nette Verkaeuferin und ich einander nicht verstanden.
"Dafuer muessen Sie zum Arzt gehen!" erklaerte sie mir.
"Was zum Arzt? Ich habe das in Deutschland staendig, alle zwei drei Monate, ich mache da einfach Creme drauf und dann ist gut!
Man kann hier in Australien doch alle moeglichen Medikamente einfach so kaufen, wieso muss ich dann fuer die Herpescreme zum Arzt?" fragte ich noch ganz ruhig.
"Das ist hier in Australien eben so, da ist das anders" versuchte sie mir verstaendlich zu machen.
Im australischen Nullachtfuenfzehnsupermarkt kann man Beruhigungstabletten, Konzentrationsmittelchen und der gleichen kaufen, also wieso stellen die sich bei so ner einfachen Creme doof an?
Sie startete einen Rettungsversuch: "Meinen Sie "Cold Sores"?".
Keine Ahnung was das Zeug ist, ich zucke also mit den Schultern.
Derweilen hat sich schon der Chef eingeschaltet und mir gesagt, dass ich dafuer wirklich zum Arzt gehen muss, sonst koennen sie mir sowas nicht geben. Als ich wiederum erklaerte, dass ich nur ne einfache Creme draufmachen muss und das dann schon wieder wird, entgleistem auch ihm langsam die Gesichtszuege.
Er holte sein Medikamentenbuch raus und schlug bei "Cold Sores" nach. Tatsaechlich findet sich dabei der Name Herpes Simplex.
Erleichtert gibt er mir eine Packung der ersehnten Herpescreme und bietet mir noch Ratschlaege an wie man das aufzutragen hat. Ich verwies wiederholt darauf, dass ich das in Deutschland sehr oft habe und bescheid weisz. Ich bezahlte, ging, und war noch immer verwirrt wieso das denn so schwer war.
Wieder am Arbeitsplatz angekommen, trage ich die Creme auf und schlage nochmal bei Leo nach, was "Cold Sores" bedeutet.
Ich lande in einem Diskussionsforum, indem ein Ami erklaert, dass er bei Lippenherpes nicht von "herpes" im Amiland sprechen wuerde, da man darunter vorangig die Geschlechtskrankheit Herpes verstuende. Wenige Lachkraempfe spaeter wurde mir klar, dass ich den Apothekermenschen und der Kundschaft glaubhaft versichert habe, dass ich fuer eine Geschlechtskrankheit nicht zum Arzt muss, weil ich das in Deutschland alle zwei drei Monate habe und da nur etwas Creme draufmachen muss. Autsch.
Sowas passiert eben manchmal, "Cold Sores" werde ich mir jetzt sicherlich merken!

Liebe Gruesze aus Melbourne,
eure geschlechtskrankheitsfreie Julia

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Herr, schmeiss Motivation vom Himmel!

Bereits seit einiger Zeit habe ich ueber meinen Werdegang nach der Uni nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass vorerst an der Uni zu bleiben keine schlechte Idee waere. Eben drum war ich auch sehr dankbar dieses Forschungspraktikum in Australien absolvieren zu koennen. Die meisten fragen mich wie ich denn in dem fremden Land so klarkomme und wie es sich mit Guenni zusammen lebt und ob ich mich eingelebt habe. Seltsamerweise ist das alles kein Problem gewesen. Ich fuehle mich inzwischen schon hier in Melbourne wie in MD. Klar war vieles am Anfang neu, aber nach zwei Monaten holt mich dann auch der Alltag ein. Man weisz wo man einkaufen gehen muss, kennt auch endlich die Namen der anderen Uni-Mitarbeiter (was nicht heiszt, dass ich sie alle richtig aussprechen kann...), hat hier und da ein paar nette Leute gefunden und geht hier so seinen Weg. Am Anfang haette ich wahrscheinlich spontan sehr vieles aufzaehlen koennen, was an Melbourne anders als an Magdeburg ist, und obwohl diese Unterschiede immernoch da sind, nehme ich sie bereits kaum noch wahr. Ich habe mich hier also eingelebt und auch schon halbwegs sozialen Anschluss gefunden. Mein Supervisor Kent ist sehr nett und die Maedels vom Volleyball werde ich sicher auch noch genauer auf den naechsten Turnieren kennenlernen. Dieses Wochenende steht uebrigens ein Turnier in Bendigo an.

In diesem Eintrag moechte ich mich vor allem einem ernsteren Problem widmen: der Motivation. Anfangs haben Guenni und ich den Tag von 9 Uhr morgens bis zehn Uhr abends in der Uni verbracht. Schlieszlich moechte man gerne mit allen in Kontakt bleiben und auch noch den noetigen Unikram nebenbei machen. Nach sechs Wochen kam dann jedoch die grosze Ernuechterung: wir waren beide mit unseren Recherchen noch nicht viel weiter. Wochentag fuer Wochentag sitzen wir im Buero und versuchen uns durch wissenschaftliche Paper zu quaelen. Wir sitzen auf unbequemen Stuehlen und starren den Bildschirm an. Nach einer gelesenen Seite eines Papers belohnt man sich dann erst einmal mit vermeindlich kurzem Internetsurfen oder einem Spiel. Leider dauert die Ablenkung oftmals zu lange an und man findet sich 16 Uhr auf die Uhr guckend und keinen Schritt weiter vor. Klar, dass man dann noch laenger in der Uni bleibt um doch etwas Unikram zu schaffen, aber wie effektiv kann man abends um zehn noch arbeiten? Nach diesen sechs Wochen wusste ich also, dass es nicht so weiter gehen kann. Ich beschloss mich auf die Arbeit wirklich zu konzentrieren und meinen eigenen Rhythmus zu finden. Gerade wenn man zu zweit den Tag verbringt, neigt man dazu sich an den Rhythmus des anderen anzupassen, aber Guenni und ich sind da einfach zu verschieden. Wie sieht mein Plan fuer die Zukunft also aus? Um neun im Buero sein und es versuchen gegen fuenf zu verlassen. Dank der neuesten Zeitumstellung, sind viele in Deutschland aber erst nach 17 Uhr wach, wodurch man doch ab und zu noch etwas laenger im Buero haengen bleibt. Wichtig ist fuer mich nur, dass ich das Buero dann verlasse und danach irgendetwas sinnvolles tue. So waren wir zum Beispiel letzten Freitag im von Studenten aufgefuehrten Theaterstueck MacBeth, Samstag zu einem Konzert in einer Bar und ich dann am Sonntag in der Brunswick Rd. shoppen. Mittwoch steht Volleyballtraining an und ich versuche mich auch sonst noch das eine oder andere Mal zu sportllichen AKtivitaeten zu zwingen, auch wenn ich meistens viel lieber schlafen gehen wuerde. Mit einem anderen Mitbewohner unseres Flurs bin ich schon in Kontakt gekommen und wir haben 2,5 Stunden Tischtennis gespielt und er hat mir dabei noch einige Eigenheiten von Australien und Aussis erklaert, die ich sicher portionsweise im Blog zum Besten geben werde. Jeder fragt uns auch immer: wohin wollt ihr denn ueberall reisen? Was habt ihr geplant, was schon gesehen? Bisher hat die Ausrede des Geldes immer als Schutzschild gedient, gestern jedoch habe ich den Entschluss zu handeln gefasst. Ich habe eine Tour entlang der Great Ocean Road fuer 150 AUD (also dank des schwachen Dollars und dem starken Euro umgerechnet 75 Euro) bei einem Reiseunternehmen gebucht, das sehr modern und jung klingt (http://www.ridetours.com.au/site/index.php). Weitere Tagestouren nach Melbourne und Umgebung plane ich bereits, sowie Fluege nach Sydney und Tasmanien. Bisher habe ich eben immer darauf gehofft noch andere zu finden, die mit Australien erkunden. Corinna, Sara und Nadja vom Volleyball haben da auch zugesagt, aber wie das eben so bei vier Personen ist, dauert es bis man sich mal auf einen Zeitpunkt einigen kann. Eben drum habe ich beschlossen auch mal alleine was zu machen. An sich bin ich sehr gerne mit anderen zusammen, aber ich bin der Meinung, dass ich auch alleine die Zeit sehr geniesen kann. Schlieszlich will ich durch die Erfahrung "6 Monate Melbourne" auch persoenlich einiges lernen. Ansonsten habe ich mir einen Terminkalender angelegt und Ausstellungen, Museumsoeffnungszeiten und Festivals in der Umgebung sowie Maerkte eingetragen. Ich habe also in naechster Zeit wirklich vor etwas zu erleben!
Auf der Arbeit bin ich in der letzten Zeit dann wieder gut vorangekommen und konnte auch endlich mal mehrere Stunden am Stueck arbeiten. Die letzten Tage war ich wiedermal mit intensivem Recherchieren beschaeftigt. Wer auf der Welt hat schon was zu dem Thema geleistet und ist es verwertbar? Mein Sammelsurium von Papern umfasst nunmehr fast 80 Exponate. Alles Forschungsarbeiten die sich mit Ameisenkolonieoptimierung beschaeftigt haben! Das Thema will ich an dieser Stelle nicht erklaeren, spaeter werde ich das aber sicher tun :) Hat man dann endlich den Urwald von wissenschaftlichen Papern durchforstet und die Dokumente auf dem Rechner, so geht die wirkliche Schweinearbeit erst einmal los: Paper lesen. Anfangs habe ich das recht gewissenhaft getan, aber angesichts des Zeitdrucks und der enormen Menge, habe ich mir inzwischen eine geeignete Technik zum Ueberfliegen angeeignet: "Einleitung"...weiterblaettern bis zum..."Fazit". Kommt was verwertbares raus, dann muss zurueckgeblaettert werden und man muss sich durch das Paper kaempfen. Dann geht es zum Schluss noch zu den Quellenangaben, die nach moeglichen Kandidaten fuer weitere herunterzuladende Paper analysiert werden muessen. Der Unialltag war da irgendwie schoener. Da holt man sich das Buch zur Vorlesung und erfreut sich nebst einiger bunter Bilder im Buch auch einer halbwegs einheitlichen Terminologie. Ihr koennt euch sicher vorstellen, was dabei herauskommt, wenn Forscher aller moeglicher Laender Paper schreiben...
Vor zwei Wochen habe ich dann auch endlich angefangen alles bisher herausgefundene in das geeignete schriftliche Format zu bringen um mir das Nachschlagen in den Papern zu ersparen. Mit meinem Projektchef habe ich sehr regelmaeszige Besprechungen, meistens sogar zweimal die Woche, sodass ich ihn gut auf dem Laufenden halten kann und auch weisz ob meine Recherchen in die richtige Richtung gehen. Das Thema finde ich immernoch sehr interessant und ich habe mir auch schon auszerhalb der Uni Gedanken darueber gemacht: am Samstag nach dem Joggen bin ich in den Pool gesprungen und weil der arschkalt war, hab ich mich dann schnell wieder an den Poolrand gesetzt und mich in der Sonne aufgewaermt. Dabei habe ich Ameisen beobachtet und ihre Pfade verfolgt. So eine kleine Ameisenwelt ist schon wirklich lustig. Jedoch sind am Pool nicht gerade die intelligentesten Ameisen vertreten, sodass einige Ameisen sehr seltsam vom Weg abgekommen sind. Lustig, dass wir von diesen kleinen simplen Tieren etwas lernen, wie man grosze schwere Probleme loest. Als ich das dann Kent erzaehlt habe, hat er sich gefreut und meinte, dass es ein gutes Zeichen waere, dass ich mich auch im wirklichen Leben mit der Thematik befasse.
Ich denke jetzt alles in allem schon etwas anders ueber das wissenschaftliche Arbeiten, weil ich die enorme Ausdauer, die dazu von Noeten ist, bisher unterschaetzt habe. Ich bin aber zuversichtlich, dass ich meinen Rhythmus finde :)

Dieser Blogeintrag ist sicher fuer die meisten langweilig, aber super fuer all diejenigen, die wirklich wissen wollen was mich in der letzten Zeit bewegt hat. Vielleicht sollte ich das auch all den netten Verkaeufern im Supermarkt erzaehlen, die mich immer so hoeflich fragen wie es mir geht. Denn so geht es mir im Moment. Ich bin auf der Sucher nach meinem Rhythmus, denn was ich will weisz ich und hat sich auch nicht veraendert. Wissenschaftliches Arbeiten ist schwer, aber man darf sich dafuer in das Thema vertiefen das man wirklich mag.

No worries,
Julia

PS: Es gibt neue Bilder vom Turnier und von Guenni und mir in meinem Fotoalbum!

Montag, 6. Oktober 2008

Ueber Kindheitstraumata und andere Belanglosigkeiten

Ich erinnere mich noch daran als waere es eben erst passiert. Meine Kindheit. Aufraeumen muessen.
Klar kann man gleich nach der Benutzung eines Gegenstandes diesen an den adequaten Stellplatz zurueck verfrachten, aber wo bleibt da der Reiz?
Wieso soll ich den Muell herunterbringen, wenn ich den Muelleimer noch sehen kann?
Was macht man also? Man wartet bis NICHTS aber auch GARNICHTS mehr geht und verbringt dann einen ganzen Tag, womoeglich auch laenger, damit das Zimmer in einen Zustand zu bringen, der den Puls der Eltern auf Werte jenseits der 180 herunterbringt.

Wieso erzaehle ich das?
Fuer mich ist Blogschreiben wie Zimmer aufraeumen. Klingt komisch, ist aber so. Ich versuche alle Eindruecke solange aufzuheben und das Schreiben des Bloges solange heraus zu zoegern, bis ein geeigneter Moment da ist um mein Werk zu vollenden. Wieso passiert hier auch staendig was neues?
Anstatt also jeden Tag ein bisschen zu schreiben, bevorzuge ich diesen Weg.

Danke fuer euer Verstaendnis :)

So und nun zu den Fakten, ihr sollt schlieszlich nicht vergebens gewartet haben.

Sooft(bin ich die einzige die findet, dass dieses Wort verdammt komisch aussieht?) habe ich mich gefragt was alle Besucher oder Besuchenden an
Australien so gefaellt. Am 20.9. wurde ich entdeckte ich des Pudels Kern.
Ich bin mit meinem nunmehr Projektchef und einigen anderen zu fuenft gen Sueden unterwegs gewesen. Wir haben uns zu fuenft in ein Auto gequaetscht und sind nach Phillip Island gefahren. Wenn ein Aussi dir sagt, dass er mit dir einen kurzen Trip in einen Nachbarort machen will, dann solltest du Verpflegung fuer einen Tag mitnehmen. Nach zwei Stunden Autofahrt durch herrliche Landschaft entlang endlos gerader Straszen, sind wir an einem atemberaubend schoenen Ort an der Kueste angekommen. Ich vermag es nicht auszudruecken wie die Schoenheit der Landschaft mein Schweigen forderte. Bilder sprechen mehr als tausend Worte, deswegen habe ich die dazu passenden Bilder bereits online gestellt.
(Um bei der Metapher des Zimmeraufraeumens zu bleiben: ich habe lediglich die Klamotten unters Bett geschmissen um den Anschein eines
ordnungsgemaeszen Tuns zu wahren)
Unsere Reise war von Sonnenschein, Regen und Wind (die Aussis nennen das zwar so, aber das war KEIN Wind! Das war eine ueberirdische Kraft, die den Regen waagerecht werden lies und mir eine jaemmerlich Haarkaemmarbeit am Abend beschehrte) begleitet, Hunger gesellte sich auch allzu bald dazu.
Was tun wenn man am Hafen ist und Hunger hat: manche ahnen ja fuerchten es schon gar... Fish and Chips essen.
Der angenehme Nebeneffekt: dank der Portion Extrafritierfett sind wir auch beim staerksten Wind stehen geblieben!
Nach einer ausgiebigen Wanderung entlang wunderbar ausgebauter Holzwege, sind wir dann den Nachhauseweg angetreten und ich habe mich einem neuen Fotomotiv zugewandt: der Erfassung der Schoenheit der geradlinigen, geraden, ungekruemmten, geradeausfuehrenden unglaublich geraden Straszen.
Wann auch immer wir nicht wussten welche Abzweigung zu nehmen war "geradeaus" war immer die ideale Antwort :)



Am Abend sind wir dann noch zu Freunden von Kent(=Projektchef) eingeladen worden und durften zwei James Bond Filme ueber einen Beamer mitverfolgen.
Diesem wunderbaren Tag ist ein sehr durchwachsener Tag vorausgegangen (Ja, auch ich bin ein Opfer von unchronologischen Gedankenspruengen).
Am Freitag konnten wir endlich das Superappartment beziehen und haben uns beide auf ein Ende des Aus-dem-Koffer-Lebens gefreut.
Nachdem ich mit der nach dem Einzug folgenden Uniarbeit fertig war, habe ich einen ersten Monstereinkauf im auf dem Uniweg liegenden Supermarkt (Safeway) gemacht. Mit sechs vollen Tueten, schmerzenden Haenden und einer Stimmung kurz vor dem Nervenzusammenbruch stand ich dann vor der Tuer der Superwohnung und habe meinen Schluessel nicht gefunden. Natuerlich habe ich alle Taschen dreimal durchwuehlt, das eine oder andere Mal auf deutsch geflucht (obwohl mein Fluchrepertoire in Englisch durch MTV auch auf einem hohem Niwo(Ja, ich schreibe das auch weiterhin so) ist). Also gings runter zur Rezeption, meine erste Dummheit beichten und Hilfe herbeiflehen. Der Ersatzschluessel wurde mir ausgehaendigt und ich kam zumindest in den Genuss meine Einkaeufe zu verstauen. Da wir uns am Freitag abends auf ein Bier treffen wollten (das kam mir in dem Moment sehr gelegen, da ich nach den bisherigen Schluesselerlebnissen wirklich einen Drink vertragen konnte!), musste ich in einer halben Stunde schon wieder an der Uni sein. Na toll. Schon wieder ist es passiert. Das Chaos beherrschte mich und nicht ich das Chaos. Ich habe einen Schluesselanhaenger mit allen Schluesseln dran, also warum verdammt nochmal fehlt der Hausschluessel?
Voellig frustriert machte ich mich dann auf den Rueckweg und durchforstete jeden Winkel den ich mit dem Einkauf gegangen bin. Nichts.
Rein in den Supermarkt, schleichen durch die Gaenge, ja sogar alle Packungen, die ich im Schokoladenbereich angetastet hatte, bin ich nochmals durchgegangen. Der letzte Versuch: an der Kasse nachfragen ob der Schluessel gefunden wurde.
Als ob das was bringen wuerde, ich habe es mal wieder geschafft: ich habe am Tag des Einzuges meinen Schluessel verloren.
"Yes, we have found one".
Was? Meinte die Kassenfrau gerade, dass ein Schluessel gefunden wurde?
Zehn Sekunden Spaeter war ich der gluecklichste Mensch in 3053 (unsere PLZ) Melbourne. Schnell noch Nachhause, wieder umziehen und dann nichts wie los ins Melbourner Nachtleben! Nach dem zweitem Bier und angenehmer Atmosphaere hab ich mich dann beruhigt, das debile Grinsen konnte ich mir an besagten Abend zwischendurch sicher nicht verkneifen. Ein weiterer Tag der Chaosjule neigte sich dem Ende zu, gottseidank!
Am Sonntag hatte ich dann meinen ersten Kontakt zu einem Kaenguruh. Es war sehr schoen zart und rot und ueberhaupt nicht schleimig!
Nach kurzem Anbraten bin ich dann den naechsten Schritt zur Inkrementierung meines Kaenguruhzaehlers gegangen: was war das lecker!




Ein unglaublich zartes, mageres Fleisch mit einem sehr angenehmen Geschmack! Das Kocherlebnis war von einem Alarm getruebt, den
(dreimal duerft ihr raten wer.....ja es ist nicht schwer...folgt eurer Intuition) ich beim Kochen durch Nicht-Benutzung der Abzugshaube ausgeloest habe. Drei weitere kurze Alarme (einer bei einem anderen Mal kochen und zwei beim Oeffnen von Tueren, die fuer mich nicht DEUTLICH mit "Notausgang" oder dem englischen Aequivalent versehen waren) sollten in den naechsten Tagen folgen...
Da auch Lammfilet in Australien herrlich preiswert ist, habe ich meine ich meine Abwendung von der Fleischabstinenz erneut celebriert.
Unter der Woche war ich dann vor allem mit der Themenfindung beschaeftigt. Ja, ich habe endlich ein Thema, dem ich in den naechsten nunmehr Monaten hoffentlich den groeszten Teil meiner Aufmerksamkeit widmen kann! Ich beschaeftige mich in meinem Praktikum damit eine Methode zu finden, die bestimmen kann welche Metaheuristik fuer ein gegegebenes Problem die beste ist. Der Test dafuer sollte natuerlich so wenig wie moeglich Zeit in Anspruch nehmen und korrekt sein. Eine der Implikationen des No Free Lunch Theorems hat naemlich gezeigt, dass es nie eine Metaheuristik geben wird, die fuer alle Probleme besser ist als alle anderen. Die Frage ist also welche Heuristik zu waehlen ist bzw. fuer welche Problemklassen sicher ist, was am besten arbeitet.
Bahnhof? MetaWAS? Oke hier die verstaendliche metaphorische Erklaerung.
Jeder braucht essen. Aber isst jeder das gleiche gerne? Gibt es wirklich ein Essen, dass jedem schmeckt? Leider nicht (auch wenn das Coq au vin meiner Mutter bisher jeden ueberzeugt hat). Dementsprechend ist doch die interessante Frage wie man herausfinden kann, was jemanden am besten schmeckt, wenn derjenige es selbst nicht weisz. Ihm alles Zuessen vorzusetzen was moeglich ist und dann zu entscheiden ist nicht sinnvoll.
So das Essen sind nun die sogenannten Metaheuristiken und die Menschen sind natuerlich die Problem.
Wir haben also ein Problem (z.B wie ist der optimale Spielzug beim Schach?) und wissen nicht welche der moeglichen Loesungsstrategien (evolutionaere Algorithmen, Simulated Anealing, Tabu Search, Swarm Optimization) wir anwenden sollen.
Zusaetzlich sind noch die optimalen Parameter (wieviel Gewuerze beim Salz wie weit soll das Fleisch durchgebraten werden?) zu bestimmen.
Ich glaube weiter ins Detail gehe ich lieber nicht *g*. Momentan lese ich mich noch in die Problematik ein...

Das zweite Wochenende. Ausflug und BBQ mit Andy und Familie.
Andy und seine Frau Sue haben uns am 27.9. elf Uhr abgeholt und sind mit uns nach Sorrento gefahren. Bevor wir entspannt in einen Ausflug in die Schoenheit der australischen Strandlandschaft gehen konnten, haben wir uns am Abend zuvor in der Kueche maechtig ins Zeug gelegt!
Da wir nicht mit leeren Haenden zum BBQ erscheinen wollten, hat Guenni einen vegetarischen Nudelsalat und ich einen nichtvegetarischen Kartoffelsalat thueringer Art zubereitet.
Leider kann ich die Impressionen des wunderschoenen Strands an dem wir die rauhen Felsen langgeklettert sind nicht gebuehrend in bildlicher Form wiedergeben, da die Batterien meiner Digicam leider gestreikt haben :(
Hier die wenigen Bilder, die mir noch moeglich waren:





Weitere Bilder sind meinem Online-Fotoalbum zu entnehmen!
Beim abendlichen BBQ gab es kein Kaenguruhfleisch, dafuer aber viele andere leckere Gerichte, von den hervorragenden Salaten ganz zu schweigen!
Nach dem Fruehstueck am naechsten Tag sind wir dann zu einem Markt gefahren, bei dem wir uns hauptsaechlich bei der preiswerten Second-Hand-Buecher-Ecke aufgehalten haben und ueber Buecher wie "The Buddenbrucks" und "The Threepenny Opera" sehr gefreut haben :)
Andy hat uns dann zum Abschluss zu Weihnachten zu sich Nachhause eingeladen und gesagt, dass er gerne noch weitere Ausfluege mit uns unternehmen moechte. WOW!

Sport.
Endlich habe ich mal wieder Volleyball gespielt :) Das Training findet, wenn auch nur einmal in der Woche (am Mittwoch), statt und hat bisher Spasz gemacht. Ich werde am 18./19. Oktober sogar mit zu einem Turnier fahren, das in Mornington stattfindet. Immerhin kenne ich hier kaum wen und da sind Kontakte jeder Art erstmal gut :) Diesen Sonntag werde ich dann zum Badmintontraining gehen, was dann zwei- bis dreimal die Woche ist.
Auszerdem haben Guenni und ich schon die Tischtennisplatte in der Superwohnung eingeweiht und haben vor als Alternative zum bescheiden beschaemenden Fernsehen uns lieber die Baelle um die Ohren zu schlagen!

Sport im TV.
Der Tag an dem wir mit Andy und Sue unterwegs waren war der Tag des groszen Finales. Alles was ein Y-Chromosom hatte, stroemte zu den vielerorts aufgestellten Riesenleinwaenden oder gar ins Stadium um das Finale der Australian Football League (AFL) mit zu verfolgen.
Die Australier zelebrieren dieses Ereignis in aehnlicher Art und Weise wie die Amis den Superbowl.
Alles in allem also ein super Tag fuer einen Familienausflug auf ruhigen Straszen!

Sauna.
Momentan komme ich durch leichte Krankheit, die bereits im Ausklingen ist, nicht in den Genuss der warmen Lokalitaet, die ich zu allem Ueberfluss auch noch fuer mich ganz alleine habe. Bisher konnte ich die Saune jedoch schon viermal nutzen, wirklich eine feine Sache bei diesem teils nassen, teils windigen, teils noch nicht warmen Wetter!

0% fettfrei
Waehrend man in Deutschland auf einigen Lightprodukten mit nur 0,2% Fett wirbt, versuchen australische Produkte mit Fettfreiheit zu werben!
Die Milch ist dann zu 98% fettfrei, irgendwie witzig oder?

Meatpie.
Laesst man sich von der abstrusen Vorstellung einen Fleischkuchen zu verspeisen und der fragwuerdigen Optik dieser australischen Delikatesse
nicht abbringen, dann steht dem Genuss nichts im Wege. Ein Fleischkuchen ist allemale einen Verzehr wert!

Australier und Kartoffeln.
Sicherlich hat jeder von euch schon einmal davon gehoert, dass amerikanisch schwer verstaendlich sei, da die Bewohnenr leider immer einen Kaugummi im Mund haben. Australien hingegen besitzt eine beachtliche Vielfalt an Kartoffeln, die primaer dazu missbraucht wird, in den Mund zwecks Verschlechterung der Verstaendlichkeit eingefuehrt zu werden. Australier reden mit heiszen Kartoffeln im Mund, wirtklich gewoehnungsbeduerftig :)

Kein Playboy.
Viele Maenner werden ob der gut recherchierten Playboyinterviews sicher gewillt sein, einen Playboy von downunder kaufen zu wollen.
Australische Maenner stehen aber leider auf andere Formate, deswegen wurde der Playboy hier vor einiger zeit abgesetzt. Ueber alterntive Tipps zu Mitbringseln sind wir dankbar.

Abwaschen.
Wie oft habe ich schon darueber nachgedacht von Papptellern zu speisen um mir diese jaemmerliche Abwascharbeit (fuer alle Sonneberger Leser:
Aufspuelarbeit) zu ersparen? Da wir im Superappartment leider nicht in den Genuss einer Geschirrspuelmaschine gekommen sind, haben wir uns etwas ueberlegt. Sofort nach Benutzung des Speiseutensils, soll dieses gereinigt werden. Obwohl mir dieses Unterfangen in Magdeburg nicht geglueckt ist, wachse ich hier ueber mich hinaus!


Victoria Market
Um zwei groszartige Salate mit ausgezeichneten Zutaten zuzuberieten, haben wir erneut den Victoria Market aufgesucht und ich kann nunmehr auch ein paar Bilder dazu liefern:



Mitrechnen beim Einkaufen.
Waehrend man in Deutschland einen schnellen Blick und Gehirnakrobatik der besonderen Art zum Mitrechnen im Supermarkt benoetigt und oft erst nach dem Einkauf merkt, dass sich der liebenswuerdige Mensch an der Kasse als Saboteur/Saboteuse erwiesen hat, kann in Australien jederman das Kassengeschehen mitverfolgen, da eine grosze Anzeige fuer alle sichtbar ist und in verstaendlicher Weise alles bisher gekauft aufzeichnet. Unser Urteil: TOP!

Kippe gefaellig?
Bereits zu Beginn unserer Reise ist uns der niedrige Zigerettenkonsum der Australier positiv aufgefallen. Waehrend wir dies anfangs auf die horenten Preise geschoben haben, hat uns das Fernsehen mal wieder um Wissen bereichert.
In Australien laufen Antiraucherspots der besonderen Art im TV, seht am besten selbst:

Video1
Video2
Video3

Wie die Australier zur Zigerette danach stehen, konnten wir noch nicht in Erfahrung bringen.

Unser Appartment.
Nach vielfachen Wunsch, hier ein paar Bilder unserer Wohnung:






Unser Appartment wird uebrigens von YMCA verwaltet, ich bitte euch an dieser Stelle das Singen zu unterlassen! Ich musste es mir zu Beginn der Besichtigung verkneifen und kaempfe auch jetzt noch gegen dieses Beduerfnis.
Diese Verwaltungssituation bringt uns in die glueckliche Lage einen Pfarrer zum Beichten unserer Probleme verfuegbar zu haben.
Wer weisz wann wir ihn mal brauchen werden :)

Zeitumstellung.
Wieder einmal wurde uns eine Stunde geklaut, da gestern die Uhr von zwei Uhr auf drei Uhr umgestellt wurde. Wir haben also im Moment neun Stunden Zeitverzoegerung zu Deutschland, ab dem 26.10 dank der deutschen Zeitumstellung dann sogar zehn Stunden!

orange?
Abschlieszend moechte ich noch auf ein Problem aufmerksam machen.
In Australia erfreuen sich gewisse Schoko-Erdnuss-Leckerlis einer hohen Beliebtheit, sodass auch wir uns dazu hinreissen lieszen eine Packung der internationalen Koestlichkeit zu erwerben. Ein Aequivalent selbiger Packung ist auch in Deutschland erwerbbar. Beim Verzehr sind uns jedoch essentielle Fragen aufgekommen: gibt es in Deutschland auch ORANGE M&M's Peanut?
Fuer all jene die mir nunmehr die Moeglichkeiten der Nutzung des Internetes unter Verwendung von google vorschlagen, sei gesagt, dass ich diesbezueglich nichts unversucht gelassen habe und deswegen diese letzte Moeglichkeit ergreife um EUCH als Auszenreporter hinzuzuschalten.
Wer auch immer mir die Frage beantwortet, darf sich ueber ein Bild einer australischen M&M's Packung freuen!

Mein Fruehstueck.
Irgendwie hat mein Fruehstueck euch also nicht ueberzeugt.

Seis drum, ich habe aufgeloest :)

Werte fuer die Statistik.
Kaenguruhs gesehen: 1, davon gegessen: 1
Kaolas gesehen: 1, davon fuer haesslich befunden: 1

Spinnen gesehen: 2, habe aber ueber beide lachen koennen :)

So ich lese dann mal weiter!

Liebe Gruesze aus Down Under,
Julia

PS: Vielen lieben Dank fuer die Anrufe aus Deutschland, ich habe mich seeeeehr gefreut!!!